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Wie ihr sicher wisst, widme ich die letzten zwei Reportagen dem Rückblick auf das vergangene Jahr. Wie war es, was gab es mir und nahm, was hab ich erlebt und vor allem die Dankbarkeit. 2018 hat für mich fantastisch angefangen – mein Traum ist am 01.01.2018 um 10:35 losgegangen, auf die andere Seite der Welt zum Nordinsel von Neuseeland. Bereits in Singapore begann das, was mich das ganze Jahr über geplagt hat – Chaos über Chaos und Absurdistan. Mein Reisebüro hat alles perfekt organisiert, nur in Singapore hat niemand was gewusst.

 

 

Nach der Ankuft in Neuseeland kam starkes Unwetter und hat mich oft begleitet. Aber wie sich später herausstellte, das Wetter war grosses Thema auf der ganzen Welt das ganzes Jahr. Trotz allem war meine Reise wie auch immer wundervoll, lehrreich und unvergesslich. Unternehmen dieser Art verlangen gutes Gefühl, Intuition, starke Portion an Minimalismus und vor allem: Blindes Glauben, dass auf dieser Welt noch gute Leute leben. Ich habe im Neuseeland meinen 40. Geburtstag gefeiert. Mein zynisches Ich hält mir schon Vortrag: Bis jetzt war es nur Training, von jetzt an geht es richtig los! Ich feiere nicht meinen Geburtstag – er vertieft nur die Falten und mein zynisches Ich sagt: Wir habe alles, was wir brauchen.

 

 

Nach kurzer Pause fliege ich weiter. Ich habe mich in der Stadt verspätet, ich werde im Hotel gebüsst. Im Flugzeug entdeckt man eine Panne, aus 20 Minuten wird 1.5 Stunden. Und in der Schweiz setze ich mich in falschen Zug, das erklärt mir Kontrollor unterwegs. Ich lande direkt von der Hitze in Schnee.

 

 

Meine Reihe unglaublichen Phänomene startet. Der Briefkasten wartet auf mich und obwohl ich niemandem einen Brief geschrieben habe, viele Ämter schreiben mir. Die Frau Holle hat mich nicht vergessen. Mein zynisches Ich kontrolliert mein Konto und meldet, dass wir nicht zu den reichsten Leuten der Welt gehören und es ist Zeit, in die Arbeit zu gehen. Schon am Morgen den 1. März suche ich den Weg zum Auto, das Auto und den Weg zur Arbeit und sogar meinen LKW.

 

 

Mein Arbeitsleben geht hervorragend vorwärts: Für unseren exklusiven Kunden fahren wir Exkremente, sprich Kacke, die menschliche. Dankbar nehme ich diese Arbeit an und mitten in der Kacke fällt mir ein, das es an der Zeit ist, weiter zu gehen: Nach sieben Jahren enormen Erfahrungen, endlosen Tagen unterwegs, Autobahnen und etlichen Kilometern will ich Dragon Bye sagen.

 

 

Aber wie soll es weiter gehen? Mein zynisches Ich sammelt sehr gerne Diplome und nach kurzer Recherche im Internet entdecke ich die Schule für höhere Weiterbildung Disponent Transport und Logistik. Ich finde es gut, so kann ich mich im Unternehmen weiter steigern. Die Schweizerische Bildungssystem verlangt eine Einstufung: Ich muss meine Studien aus Tschechei beweisen und für mich läuft die Zeit. Diplome übersetzen, Dokumente, Ausbildungen, Tschechische Botschaft, die notarielle Beglaubigung, Bankeinzahlung. Das Schweizerbüro für Bildung hausiert in der Einsteinstrasse in Bern und gibt mir gute Chance für Anerkennung und so bekomme ich noch meinen Platz in der Klasse. Ich renne dankbar in Bern in Rosengarten, weil ich Einstein küssen will. Meine Dokumente warten auf ihr Verdikt, der im Februar 2019 fällt.

 

 

Ich freue mich auf August, die Studien fangen an. Neben der Arbeitswoche verbringe ich Samstage mit 25 Menschen, die sich in der Transportbranche weiterbilden wollen. So habe ich bis März 2020 für Unterhaltung gesorgt. Noch vor dem Beginn bekomme ich dicke Einzahlung für das erste Semester. Und noch einen Brief – die Kündigung vom Chef. Mein zynisches Ich fragt mich: Was wollen die Arbeitgeber heute überhaupt?

 

 

Ich denke nicht nach und feiere den Nationaltag als arbeitsloser Ausländer, ich helfe der Familie Stachelchen und entscheide ich für neue Aufgabe – die Welt aufzuräumen. Obwohl die Schweiz als sauber gilt, Ausnahmen gibt es leider immer. Ich habe Freude an meiner Idee, weil ich damit die Zeit gut nütze und die Geschichten sind echt unglaublich.

Der Herbst ist vorbei und Dezember ist da und auch die Festtage. Für mich endlich bisschen Ruhe geniessen, sich mit Freunden treffen. Ich frage mich, wofür ich dankbar sein kann und es fällt mir Vieles ein:

 

 

In der Hauptrolle wie immer meine Vermieter. Ich nenne sie liebevoll Pegelins, weil sie Garage Peugeot betreiben. Ich muss euch sicher nicht erklären wie genial es ist, aufzuwachen und am Fester ist Frühstück bereit, wenn der Osterhase kommt, eine Belohnung für Blumengiessen, hausgemachte Zöpfa und Weihnachtsessen mit feinen Gerichten und einfaches Geschenk, das mir grosse Freude bereitet – Pfeffermühle von Peugeot in roter Farbe und ich muss sicher nicht erwähnen, dass Pfeffer schon drinnen ist.

 

 

Ich kaufe die Eier bei unserer Bäuerin im Dorf. Ich kaufe Eier, zahle in Kästchen ein und fahre heim, ich freue mich, das Wochenende ist da. Am Montag ruft mich die Bank an, mein Geldsack ist bei der Bäuerin. Ich könnt euch die Probleme vorstellen, wenn ein Berufsfahrer alle Dokumente neu machen muss. Voll Dankbarkeit zahle ich etwas für Kafe in Kästchen, bisschen Plaudern und Danke sagen.

 

 

Meine Bank ( obwohl ich keine besitze ) kümmert sich um meine Angelegenheiten. Am Monatsende gebe ich alle Einzahlungen im Briefumschlag in die Postkasten der Bank ab. Mein künstlerisches Ich schreibt noch Danke drauf. Mein zynisches Ich behauptet dagegen, wenn die Bank von mir nicht viel Geld hat, mindestens das…Etwa einmal im Jahr muss ich in der Bank etwas unterschreiben, erledigen, ich werde telefonisch benachrichtigt, alles ist bereit, wir verlieren keine Zeit.

 

 

Dieses Jahr spielten die Frauen im meinen Leben grosse Rolle. Meine Tante kam zur Besuch und wir haben wunderbaren Sommer zusammen verbracht – Sommer voller Freude, Baden, Wandern im Berg voller Märchen, Ruhe und Abenteuer. Meine Frauen, die sich um meine Gesundheit kümmern – meine Masseuse und Therapeutin helfen mir viel. Lange Tage im LKW plagten meine Hüften und Listen und ich habe unter starken Schmerz gelitten. Diese Frauen haben mir wieder schmerzfreie und ruhige Nächte zurück geschenkt. Ansonsten freue ich mich sehr guter Gesundheit.

 

 

Meine in den Bergen verbrachte Zeit hat sich gelohnt und für mich brachte sie die grösste Auszeichnung dieses Jahres: Reportage *Wenn die Glocken läuten* wurde mit fast 800 Klicks die meist gelesene Geschichte, knapp gefolgt von Reportage *Schafscheid Jaun 2018* mit 700 Klicks und erstem Kommentar auf meinem Blog von Madame Julia.

 

 

Mein definitives Entscheid, nicht mehr LKW zu fahren war nach zwei Monaten wieder vorbei. Ich fahre abends regelmässige Tour und manchmal helfe ich Chef noch woanders. Die Liebe zu meinem Job ist wieder da, die Zeit für Studium und mein privates Leben auch und wo geht mein Weg hin, weiss ich noch nicht. Nicht, dass ich es genau wissen müsste.

 

 

Vielleicht fragt euch, was ist mit Stachelchen passiert. Nach sechs Wochen Aufenthalt im Tierheim nahmen sie gute 600 g zu und ich durfte sie abholen. Zusammen mit Peterli haben wir sie bei uns ausgesetzt und überliessen sie ihrem Schicksal. Ich helfe Tieren, aber ich will nicht ihr Leben ändern. Jetzt müssen sie selber guggen.

 

 

Das Jahr verlief eindeutig im Zeichen der Ausbildung. Ich schreibe meinen Blog in zwei Sprachen, spreche Schweizerdeutsch, französisch und manchmal muss ich trotzdem nach Worten suchen. Meine Kurse über Hilfe auf der Strasse, gefährliche Güter, wie einen Fahrer aus brennenden LKW retten, meine Samstage in der Schule in Weiterbildung, mein Kurs für die Werbung in Sozialmedia.

 

 

Weiterhin sortiere ich sorgfältig den Abfall. Ich habe mein minimalistisches Leben vertieft, ich habe mein zu Hause aufgeräumt und Sachen an Bedürftige geschenkt. Ich habe viele wunderbare und lehrreiche Momente erlebt. Es war sehr schwieriges Jahr, viele Angelegenheiten liefen schief und umgekehrt, die Beziehungen auch. Aber aus meinem Leben weiss ich, dass genau das ein Grundboden für etwas Neues ist, noch Besseres. Aber das zeigt erst die Zeit.

 

 

Was wartet auf uns im 2019? Mein zynisches Ich rät mir schon Paris und Sizilien bevor sie aus der Bildfläche verschwinden. Wir werden über die Schweizerpässe reisen, wie war Neuseeland abseits des Tourismus? Wir schauen uns verschiede Formen von Recycling an, was hat mir LKW alles beigebracht, wem werden wir heutiger Tag widmen? Wir schauen in Männer und Frauenwelt. Und vor allem lassen wir uns überraschen was alles uns die Tage bringen.

 

 

Ich wünsche euch vom ganzen Herzen alles Gute im Jahr 2019. Ich werde euch weiterhin die Welt zeigen wie ich sie wahrnehme und ihr zeigt mir die Welt, in der es Freude macht, zu leben. Werdet auch ihr ein Teil meines Kriegszuges durch diese Welt. Eines Kriegszuges ohne Waffen und Gewalt. Wo ein Mensch als Beispiel voran geht, kommt ein anderer dazu und vielleicht noch einer. Und auf einmal sind es mehr. Es geht nicht darum, etwas zu ändern, es geht darum, bei sich selber anzufangen. Wo glückliche Menschen leben, gibt es glückliche Gesellschaft, glückliche Welt. Wir alle sind ihr Teil, jeder von uns ist nicht mehr wegzudenken, sie braucht jeden von uns.

 

…DENN IHR MACHT DIE WELT BESONDERS…INDEM IHR EINFACH DA SEID…

 

 

 

 

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Photo 2018

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6 Antworten zu “Dankbarkeit 2018

    1. Hi Gisele, thank you for your comment. I try just my experiences and emotions for another people with my text and pictures. Nice day, see you sun.

    1. Hi Elisa! Thank you very much for your comment. I can write just something what I feel and live. That’s it. Nice day and thank’s for your words!

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