Berg voller Märchen

Die Bergretter vom Schwarzsee

Samstagmorgen, ich fahre Richtung Schwarzsee. Es ist -7 °C und auf mich wartet spannender Tag. Heute werde ich nicht wie gewohnt die Ski fahren, ich werde die Zeit mit der Alpine Rettungstation Schwarzsee verbringen. Die Sektion besteht seit 1976 aus Retter und Retterinnen, die ehrenamtlich 365 Tage rund um die Uhr im Einsatz sind. Das Einsatzgebiet umfasst den Sensebezirk, Schwarzenburgerland und Teile des Greyerzbezirks. Sie helfen den in Not oder hilfsbedürftigen Menschen in den Bergen.Ich komme zur Gruppe – sie sind einfach zu finden – in ihren typischen gelb schwarzen Kleidung stechen sie nicht vor und doch landen die Retter einem direkt ins Herz.Alljährlich werden die Übungen durchgeführt. Ich durfte vor Jahren mit dabei sein, kenne manche Retter und neue, vor allem Jüngere sind dazu gekommen. Das freut mich, denn einfach ist die Rettung nicht, hauptsächlich physisch. Die Rettung in den Bergen findet oft in schwer zugänglichen Orten, dafür braucht es gute Tourenfahrer, Schneeschuhläufer. Jetzt geht es aber los und nach der obligatorischen Vorrunde und Besprechung können wir loslegen.Heute sind mit dabei zwei Ärzte von Inselspital Bern. Mein zynisches Ich ist stolz, in welcher Gesellschaft wir uns bewegen. Wir fahren mit dem Sessellift der Kaisereggbahnen hinauf, ich darf mich mit Alma, einer Angestellten der Rettung der Bergbahnen austauschen. Sie wird mit uns den Vormittag verbringen, bevor sie ihre Nachmittagsschicht hier auf den Pisten übernimmt. Vor Ort werden wir in Gruppen verteilt, die Ausrüstung wird vorbereitet vor malerischen Kulisse unseres Hausbergs Kaiseregg. Es werden verschiedene Posten durchgeführt.Als Erstes gehen wir die Verschütteten suchen mithilfe von Barryvox, bekannten Suchgerät. Man kann bekanntes Piepsen hören, die Sondenstäbe und Schaufeln kommen zum Einsatz.Bei der Hütte Obere Mitzlere wird die Belebung geübt – hier wird die Übung vom Fachspezialist und Arzt Raphaël geleitet. Die nächste wunderbare Kulisse vor uns, diesmal die von Spitzfluh. Es wird über die Angaben des Patienten diskutiert – Marc, 35 – nach 26 Minuten in Lawine leichte Atmung – die Herzmassage am Dolly wird trainiert.Wo geübt wird, muss man bisschen nachhelfen – es tut super gut und bringt Schwung in Blut. Mein zynisches Ich lallt – wird vielleicht später noch nützlich sein!!! Wir geniessen eine kurze Verschnaufpause in herrlichen Sonnentag.Die Sonne bringt noch mehr Motivation und es wird diskutiert – es gibt drei Ursachen vom Tod in der Lawine – die mechanische durch Bedrückung, Tod durchs Ersticken und Scheintod. Weitere Faktoren, die zu einer erfolgreichen Bergung beitragen, ist hüten von weiterer Verletzungen, sowie die schonende Vorgehensweise, um den Bergungstod zu vermeiden.Die Körpertemperatur im Schnee geht rasch runter, der Patient muss mit allen Mitteln warm gehalten werden. Eine positive Seite hat die Kälte doch noch – sie schützt das Gehirn. Mein zynisches Ich sagt mir leise: Na, da hätten viele in Lawine schlafen müssen.Nicht weit entfernt liegt schöner Hang. Hier werden wir die Suche üben. Die Sondenstäbe und Schaufel wollen soeben gebraucht werden. Auf Kommando vom Leiter Dominik wird in Schnee gestochen, der Verschüttete wird gefunden.Die Ausgrabung wird realisiert, die Männer wechseln in kurzen Abständen ab, denn es muss jetzt schnell gehen und es ist sehr anstrengend.Während des Mittags kommt von der Seite der Leitung gegenüber mir Angebot einer Mission. Mein zynisches Ich ist natürlich begeistert und freut sich, wie der Schnaps zur Geltung kommt. Ich werde oberhalb von Riggisalplift am vorher vorbereiteten Platz den von Lawine erfassten Skifahrer simulieren. Samuel mit Dominique begraben mich im Schnee, eine Hand mit Kamera bleibt frei. Laut Absprache bin ich von Lawine erfasst, die durch 5 Tourerfahrer ausgelöst wurde, habe kalt, bin bisschen verwirrt und habe Schnittwunde am rechten Hand.Nach einigen Minuten kommen die ersten Retter – der Arzt und ein Retter. Ich werde befragt, grob untersucht, in Schlitten gesetzt. Weitere Retter rücken nach, denn die weiteren fünf Personen – in diesem Fall die Dollys – müssen gefunden werden.Jetzt wird alles gebraucht, was man vormittags gelernt hat. Man muss hinauf in Hang, nach weiteren Personen mit Suchgeräten zu sondieren, diese werden dann gefunden. Zwei Personen müssen ausgegraben und müssen ebenfalls belebt werden, die Zeit läuft. Alles wird vom Kommandant überwacht, genaue Positionen gezeichnet, über Funk dann mit dem Arzt besprochen. Es fehlt immer noch eine Person – die Sonden und exakte Vorgehensweise mit zwei Methoden führen zum Erfolg. Es wird hart und akribisch geschaufelt, die Männer graben schnell und wechseln sich ab.Leider zu spät – der Patient, resp. ein Stück Kleider – wird für tot erklärt. Die Übung ist zu Ende – die Lage wird besprochen. Anfangs war man bisschen unbeholfen, mit zunehmendem Druck aber einwandfrei organisiert. Es handelt sich um konstruktive Kritik innerhalb der Mannschaft.Ich habe nichts zu sagen – die Gewalt der Natur bringt jedes Mal neue Herausforderungen, die Rettung ist nie gleich. Manchenorts sogar hier bei uns gibt es noch Orten mit Funkstille. Jede Situation bringt was mit sich. Und ich denke, der Mensch allein trägt oft zu Problemen bei.Es ist Zeit, Sachen zu packen und den Hang runterzufahren.Material wird gesammelt, Markus darf in Schlitten drin. Die Abfahrt wird trainiert. Es braucht viel Männerkraft, denn es geht runter und das Gewicht drückt nach vorn. Alle gut angekommen, wird das Material kontrolliert. Für manche noch Schlummertrunk in der Bar und dann geht es nach Hause.Für mich war es eine atemberaubende Erfahrung, ich habe es genossen und bin froh, hinter die Kulissen der Bergretter zu schauen. Und selbstverständlich habe ich schon nächsten Termin abgemacht – die Sommerübung. Datum ist im Kalender notiert, ich freue mich schon jetzt. Was kann man noch sagen? Das Jahr sind sie noch nicht ausgerückt, liegt wahrscheinlich an schneearmem Winter. Vergangenes Jahr war es zehnmal. Mir kommt die Zahl nicht hoch, anderseits schon nur die Übung war sehr anspruchsvoll, die Retter werden alarmiert und aus ihrem Arbeitstag gerissen, müssen zum Ort fahren. Und genau hier denkt mein zynisches Ich: Immer so vorsichtig, dass man die Bergretter nicht benötigt.Ich wünsche alles Gute. Eine weitere Geschichte aus Berg voller Märchen endet, meine treuen Leser kennen das schon:

Der Tag und nicht nur der heutige ist gewidmet allen Rettern und Retterinnen, die so tapfer, organisiert und voller Herzblut an die Rettung gehen.

…IHR MACHT DIE WELT SCHÖNER, INDEM IHR EINFACH DA SEID…

Da ich das Jahr entschied, mich künstlerisch weiterzuentwickeln, habe ich während der Übung alles gefilmt. Ich empfehle Kaffee oder warmen Tee, gemütlich in warmer Stube hinsetzen. Viel Spass beim Zuschauen! Klicken Sie hier https://youtu.be/dUmgvfTZdak

Falls euch meine Arbeit gefallen hat, könnt ihr sie finanziell belohnen auf paypal.me/bloghelenea . Gewinn geht zu Gunsten der Schweizer Stiftung REDOG – Verein der Such – und Rettungshunde. Danke sehr.

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