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Lange Abende, Arbeit am Computer, das Sortieren von Fotos. Draussen herrscht Unwetter und die Tropfen klopfen ans Fenster. In der Gemütlichkeit meiner Wohnung reise ich in der Zeit. Ein Klick und der Bildschirm bringt mich auf die andere Seite dieses Planeten. Ich spüre auf einmal die Wärme am Strand, den Wind in meinen Haaren und mein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Wie ist Neuseeland, was hat er mir beigebracht und was hat mich erstaunt?

 

 

Der Nordinsel von Neuseeland. Vielleicht fragt euch, warum sechs Wochen für einen Insel? Ich suche auf meinen Reisen Abenteuer, die originell und einzigartig sind. Und in jedem Land und Kultur findet man sie. Neuseeland hat mich absolut mit seiner Landschaft begeistert, Kultur und Naturschutz – man steht am Strand und hinter Rücken erheben sich die Vulkane, man ist mittendrin im Leben von Kiwis und Maoris. Und sechs Wochen für einen Insel ist einfach zu wenig, sehen kann man nicht alles.

 

 

Was ich von meinen Reisen erwarte und danach auch die Destinationen auswähle, ist die simple und unauffällige Art zu reisen. Neuseeland ist für solche Reise wie erschaffen, falls man aber die Fahrt in der linken Spur meistert. Es sieht einfach aus, ist es aber nicht und sobald man in Europa ist, denkt man noch einige Zeit nach, ob man richtig fährt. Es ist auch wichtig, gewisse Infos über das Land zu holen und sich daran halten. Man reist fast ans Ende der Welt, hier herrscht strenge Quarantäne und am einfachsten nimmt man kein Essen mit und alles desinfiziert. Und noch ein guter Rat: Trotz exzellenter Navigation kann man nicht alles wissen und voraussagen. Daher sehr gut überlegen wegen Tanken.

 

 

Nach der Auto-Übernahme fahre ich direkt los. Nach einigen Tagen erreiche ich den Wald mit den grössten Bäumen dieser Erde. Beim Eingang muss man die Schuhe putzen. Die Wurzeln der Bäume leiden und sterben ab. Mein zynisches Ich fühlt sich sofort wie zu Hause. Läuft ihr zu Hause in den Schuhen? Nein? Wollt ihr sauber haben? Selbstverständlich. Warum sich auch nicht zur Natur sauber benehmen, nicht wahr? Damit wird man noch mehrfach konfrontiert, ich habe es jedes Mal eingehalten – für die Natur.

 

 

Vielleicht fragt euch, wie es ist, wenn eine Frau alleine reist, wie sieht ihr Tag aus? Ich reise von klein auf, Neuseeland gehört zu einen meinen längeren Ferienprojekte. Bei allen meinen Reisen gilt immer und überall ein Regel: Sich anständig benehmen, unauffällig ( das geht bei mir mit Kamera nicht so ) und vor allem im Einklang mit der Natur. Selbstverständlich ist das Reisen mit vielen organisatorischen Sachen verbunden wie Versicherung, Kreditkarten, internationaler Führerschein usw. Ich spreche fliessend deutsch, schweizerdeutsch, französisch, mährisch und verstehe slowakisch, mit Händen und Beinen englisch. Jetzt denkt ihr – dir geht es ja prima! Ich antworte so und so. Was glaubt ihr, ist das Schwierigste an solchen Reisen? Es ist in allen Länder dasselbe, was glaubt ihr, was es ist? Es ist Wasser. Einfach Wasser. Hand auf’s Herz, habt ihr ans Wasser gedacht? Das Wasser kann man kaufen, noch kaufen, ich kaufe es auch, aber dann versuche ich die Reserven nachzufühlen. Aber nicht überall ist das Wasser zu holen. Neuseeland hat eine der stärksten Dürre durchgemacht. An manchen Stränden gibt es Tanks, aber wenn das Wasser aufgebraucht wird? Gibt es kein Wasser. Auf den Reisen brauche ich im Tag etwa 8-10 Liter. Es ist ein Paradox – ich bin jeden Tag am Strand und sehe dem Pazifischen Ozean entgegen und habe trotzdem kein Wasser.

 

 

Beim Reisen konsumiere ich die Produkte jegliches Landes. Ich will verschieden Gemüse – und Obstarten probieren, ich nasche auch gerne. Neuseeland ist ein selbstständiger und unabhängiger Ort – sie produzieren eigentlich alles. Trotzdem hat die moderne Entwicklung das Ende der Welt erreicht und zu meinem grossen Schock assen die Kinder um neun Uhr morgens die Frits in Fast Food. Ich darf verschiedene landwirtschaftlichen Produkte ausprobieren, auch hier ist eine Sache sehr wichtig – es gibt Grosshändler, die bis 21:00 offen haben, die trifft man aber nicht überall. Empfehlenswert sind auf jeden Fall die Bauer, die Direktverkauft betreiben, bisschen plaudern und in ihren Tag eintauchen. Der Hunger ist der beste Koch und unsere europäische Angewohnheit, bis 21:00 in Tankstellen oder sogar Nonstop einzukaufen, kann zu Verhängnis werden. Und mein alter, aber sehr gut bewerteter Brauch, Einkäufe auf Zettel zu vermerken, hat sich im Alltag so richtig bewährt. Die Zettel von einheimischen Frauen sind lang, denn der Weg zu Grosshändler kann hier in den Weiten über Stunden dauern. Die Auswahl der Hinterkulisse liegt dann bei euch.

 

 

Wo Leute sind, gibt es auch Abfall. Hier am Ende der Welt ist der Kampf dagegen genau so gross wie bei uns in Europa. In Campings gab es Entsorgungscontainer. Wie genau dann recycliert wird, kann ich nicht sagen. Ich halte mich daran, entsorge sorgfältig. In vielen, vor allem abgelegenen Orten, stehen Tafeln, die auffordern, keinen Abfall hinterlassen. Oder noch besser: Hinterlassen Sie nur ihre Fussstapfen, den Abfall nehmen Sie mit.

 

 

Abgelegene Orten. Genau das suche ich auf meinen Reisen. Neuseeland bietet diese Köstlichkeit. Mal alleine, mal unten vielen, mal in Wildnis, anders Mal in DOC. DOC – Departement Of Conservation. Campingplätze, die oft in Naturschutzgebieten liegen. Die DOC betreibt eine Menge an Campings und ist wirklich zu empfehlen. Ein schmales Heft mit allen Orten und Beschreibung bekommt man in allen Campings. Der Preis pro Nacht zwischen 9-13 NZD für Mobilhome ist echt ein Schnäppchen.

 

 

Einer, der mich sehr beeindruckt hat, ist der Camping DOC Coromandel. Nur die Anreise ist schon ein Abenteuer in sich – 30 Km fast drei Stunden. Es war es wert. Ich komme an späterem Nachmittag an – will nur ein Tag bleiben. Es werden am Ende drei. Ein exklusiver Platz am Meer – ich esse Nacht, ich frühstücke, ich arbeite direkt am Meer. In DOC gibt es sicher auch Wanderwege, man kann immer was Neues entdecken. Die Rangers – hier ist Fred der Chef, sind ganz simpel und freundlich. Sie werden sehr bald ein Teil der Campingfamilie. Zum Kochen steht eine einfache Küche zur Verfügung und Toiletten und Dusche ebenso.

 

 

Ein weiteres Beispiel ist DOC Matata. Dieser ist mir direkt beim Fahren in Weg gekommen. Da ich spät am Abend komme, ist stark besetzt, nächster Tag sogar ausgebucht, ich kann bleiben bis morgen. Die Reihe zum Duschen ist lang, noch drei Personen, ich gehe spazieren am Strand, umso besser werde ich nachts schlafen.

 

 

Ein weiteres Beispiel von Camping ist DOC Wertworth. Im Gegenteil zu anderen befindet man sich im Landesinnere direkt am Fluss. Früh morgens unternehme ich kurzen Spaziergang durch Wald zu 300 Meter hohem Wasserfall. Die Ruhe, die grüne Farbe der Natur lässt einen ganz entspannen.

 

 

Es gibt selbstverständlich auch private Campingplätze. Mein erster im Neuseeland war für mich gleichzeitig der grösste Schock – Ahipara Beach, das Eingangstor zu 90 Miles Beach mit solchem Camping.

 

 

Zwei Toiletten für alle, zwei Duschen, sonst nix. Für satte 30 NZD pro Nacht pro Person. Es hat mich aufrichtig gesagt richtig umgehauen. Ich blieb zwei Nächte, denn es war genau Woche nach meiner Ankunft und die Müdigkeit hatte sich eingeschlichen. Natürlich gab es auch korrekte Plätze wie in Porangahau Beach, wo ich ganz alleine war oder in Waitara Beach. In freier Natur kann man übernachten, manche Orte wie Coromandel ist es strengst verboten.

 

 

Fragt mich, ob trotz allem Neuseeland sauber ist? Ich muss sagen definitiv JA. Auf den 90 Miles Beach fand ich in gesamter Zeit 4 Stück Abfall – es kann sein, dass man sie vergessen hat, dass der Wind sie weggeblasen hat. Den ersten Zigarettenstummel am Boden sah ich in Wellington. In den riesigen Wäldern, geplagt von Dürre würde eine Zigarette verehrende Folgen haben. Wie viel eine Packung Zigaretten kostet? Stolze 21.80 NZD. Trotzdem kämpft man hier mit Folgen von Massentourismus und Littering.

 

 

Anderes Land, andere Bräuche. Was bei uns in Europa unter Schutz stehen kann, kann in Neuseeland als Predator gelten. Einige Momente haben mich erstaunt, die Giftfallen sind oft zu sehen, manchen wurde geholfen und anderen leider nicht.

 

 

Jedes Land ist von seiner Kultur geprägt. Neuseeland ist von Maori und Kiwi Kultur bestimmt. Die Museen sind auf jeden Fall sehenswert. Manche Museen ganz versteckt und abgelegen, andere in voller Pracht. Manche Gegenstände kenne ich sogar aus meiner Kindheit. Mein zynisches Ich meint leise: Du kommst in Museumalter!

 

 

Ich setze sehr viel Wert auf Authentizität meiner Fotos – die Fotoobjekte müssen das nicht so sehen. Die Vögel am Strand beim Sturm haben sich gewundert, was genau ich einübe. Den Objekt im Fokus, habe ich nicht unter die Füsse geschaut – Resultate sind dreckige Füsse. Mein zynisches Ich versteht die Tiere und ruft schon entschuldigend: Hallo, wir kommen aus Europa! Die alles sagenden Blicke und leise Ach du lieber Himmel!

 

 

Und irgendwann kommt die Zeit, schleichend, aber konsequent, nach dem allem Erlebten, auf Wiedersehen zu sagen. Sechs Wochen Ferien sind vorbei. Auf mich wartet die Europa und schon in Singapore in Wahnsinn heutiger Gesellschaft  und Valentintages tauchen mir in Sinn die Momente, die so tief in meinem Herzen bleiben. Die Momente der Schönheit, die Momente, wo man als Aussenseiter mittendrin der Interesse steht, das Abendessen mit Spatzen, das Warten auf die Welle und Springen in Ozean, die neugierigen Augen, die Gastfreundschaft. Die Menschen, die mir geholfen und beraten haben, die mich fragten, woher ich komme?

 

 

Ob Neuseeland Paradies am Ende der Welt ist? Nein, es gibt kein Paradies. Es ist Wunder der Natur in der Unendlichkeit von Pazifischen Ozeans und es ist die oberste Priorität, es zu schätzen und schützen. Ob die Neuseeländer auch ihre Sorgen haben? Zweifellos – leere Läden in der Stadt, der Schutz der Natur und den seidenen Faden des Lebens. Ein Kreislauf, den wir alle auf irgendeine Art und Weise kennen.

 

 

Wahrscheinlich fragt euch, warum ich so lange gebraucht habe, um diese Reportage zu schreiben. Nun, solche Reisen sind nicht nur Reisen in die fernen Welten. Sie sind auch Reisen in mein Inneres. Ob es für mich schwierige Momente gab? Ja. Das Wetter war manchmal richtig mühsam.

 

 

Als ich den Bethells Beach – Te Henga Strand besuchte, war es sehr windig und kalt. Ich war müde, die Bedrücktheit hat sich bemerkbar gemacht. Eine Möwe flog zu mir. Hallo! Wie geht es? Na ja. Nicht gerade gut. Als ich die Möwe genau anschaute, sah ich, dass sie nur ein Bein hat. Und trotzdem stand sie in dem peitschenden Wind sicher da, hat mich beobachtet und gemeint: Alles wird gut. Glaub mir, alles wird gut. Ein Hauch der Motivation und ein Bild, von dem ich noch heute Energie tanke.

 

 

Hoffentlich hat euch meine Reise gefallen, ein kleiner Einblick in die Realität im Irgendwo im Nirgendwo. Meine Zeilen sind gewidmet allen, die Motivation suchen, deren, die Nostalgie verspüren und vor allen den Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht reisen können. Und ich hoffe, dass mich mein Leben in Neuseeland wieder hinführt.

 

 

 

 

 

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Neuseeland 2018 13.Teil It’s time to say goodbye…

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