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Der Heiliger Abend ist da, 24.12.2018. In letzter Zeit plagen starke Windböen die Schweiz und nachts regnet es. Durch den Kopf gehen mir meine Abenteuer und Gedanken der letzten Monate.

 

 

Im Berg voller Märchen läuten die Glocken nicht mehr. Langer und heisser Sommer lockte sehr viele Touristen hierher. Zu Ende sind meine Besuche bei Bauern, Fondue mit Freunden, Quatschen und Lachen. Unbemerkt kam der September und Zeit, sich zu verabschieden. Die Tiere kehrten zurück zu ihren Besitzern ins Tal, die Murmeltieren legen sich in Winterschlaf, die Natur will ihre Ruhe.

 

 

Mit dem Herbst kommt der Nebel und ich sehne mich nach der Sonne. Ich schnappe meine Kamera und fahre in Berg voller Märchen. Die Stille herrscht und die ersten Flocken geben uns Skifahrern die Hoffnung, dass wir bald den Winter geniessen könnten. Ich lasse den Nebel hinter mir und steige zu Hohmattli hinauf.

 

 

Ich laufe gemütlich hinauf, geniesse die Einsamkeit und die Herbstlaune, weiche den Pferdebällchen aus. Und wie ich mir den Weg zwischen Pferdebällchen suche, stehe ich auf einmal oben auf der Hohmattli. Und mein zynisches Ich fragt mich leise:

 

 

Sind wir wir jetzt im Himmel? Die Frage kommt mir so unschuldig und kindlich vor, dass ich nicht weiss, was ich antworten soll. Unter mir liegt die apokalyptische Welt, der Nebel hat alles begraben. Die Städte Fribourg und Bern sind verschwunden, die gesamte Zivilisation. Nur die herumliegenden Gipfel geben mir das Gefühl eines Überlebenden. Wo fängt eigentlich der Himmel an? Ich berühre die Sternen und mit besonderen Gefühl fahre ich zurück in die moderne Kultur.

 

 

Durch unsere Gegend läuft der Schäfer und mit ihm kommt die Weihnachtszeit. Der nasse Morgen im Dezember und die Herde von über sechshundert Schafen, die vier Monate draussen verbringen. Ich nehme meine Kamera, Schokolade und Äpfel und gehe zu Besuch. Unauffällig nähere ich mich der Herde, die Hunde nehmen mich wahr, ich will sie nicht aufregen, ich halte an und warte bis der Schäfer zu mir kommt. Die Hunde beschnuppern mich, alles scheint in Ordnung.

 

 

Ich grüsse mit der Hand – der Schäfer Jens, ein in der Schweiz lebender Deutscher. Im Sommer arbeitet er in Baubranche und im Winter kümmert er sich um die Herde. Zu ihm gehören auch zwei Hünde – elfjähriger brauner David und vierjähriger schwarzer Lupo. Angenehme Konversation, ich beobachte leise die Herde, die auf eine andere Weide übergeht – das Kleefeld, eine wahre Delikatesse für die Schafe.

 

 

Kurz nach dem Mittag bereitet Jens das Zaun, wo die Tiere sich erholen werden. Ein kurzen stärker Pfiff, die Hunde reagieren, die Schafe folgen Jens. Innerhalb einer Minute sind Tiere drin. Ich bewundere seine Arbeit und mein zynisches Ich murmelt: Es ist einfacher mit den Tieren zu arbeiten als mit den Leuten, nicht wahr? Ich muss lächeln, ich verlasse den Schäfer und gehe meinen Pflichten nach.

 

 

Die Zeit vor den Weihnachten spürt man in unserer Branche schon im September. Ich fahre Richtung Zürich, die Staus sind mein tägliches Brot. Schlechtes und sehr windiges Unwetter verlangt volle Konzentration, die letzte Adventswoche nimmt der Verkehr zu und in der Nacht auch.

 

 

Der Freitag ist endlich da und der Befehl von meinem Chef ist eindeutig – von da an zwei Wochen frei. Ich werde mich ausruhen. Kleine Aufmerksamkeiten für meine Männerwelt. Die lädt die Ware ein und aus, die Männer verdienen die Schoggi schon. Unterwegs sind LKW Parkplätze fast leer, die Schweizer sind noch unterwegs.

 

 

Mit einem Chauffeur Kollegen halten wir auf dem Heimweg an Nonstop Tankstelle Grauholz an. Ein Weihnachtsgetränk, obwohl wir nicht in gleicher Firma arbeiten, aber für gleichen Kunden. Der grosser LKW Parkplatz ist nur teilbesetzt – von Schweizern. Die werden bis und mit Montag Vollgas fahren, damit die Einwohner der Schweiz gemütlich einkaufen können. Und meine Kamionseele hofft leise, dass alle gesund und pünktlich nach Hause kommen. Dass alle Chauffeure trotz allen Hindernissen unseres Berufes dort sein werden, wo sie zu Hause haben – bei ihren Familien, Frauen und Kindern, einfach dort, wo sie sich am wohlsten fühlen.

 

 

Heute ist Heiliger Abend Vormittag und ich fahre in Berg voller Märchen. Über mehrere Tage andauernder Regen lässt der Pegel der Sense endlich steigen. Ich fahre noch mehr hinauf, aber ab 1400 m.ü.m. hört der Weg für das Jahr auf. Hier hat die Natur ihre Regeln, der nasse Schneeregen bedeckt sanft die Landschaft. Ich fahre runter und unterwegs darf ich für uns Einheimischen bekannten Phänomen beobachten – die Herde von Gemsen ist da. Im Schwarzsee wartet auf mich ein trauriges Bild – auf 1000 m.ü.m. fällt der Regen, die vom Kurzem eröffneten Pisten stehen still, einige Leute kommen an, um diese Ansicht mit Kopfschütteln zu beobachten. Nur die Vögeln stört das offensichtlich nicht. Mein grösster Weihnachtswunsch ist wieder fehlgeschlagen – der Heiliger Abend auf der Piste. Und mein zynisches Ich murmelt -das kann man nicht im Internet bestellen?

 

 

Ich fahre heim, ein feierliches Abendessen nach tschechischen Tradition wartet auf mich – Kartoffelsalat mit Schnitzel, bisschen Süssigkeiten, tschechische Märchen. Und die Ruhe. Mein zynisches Ich sagt – andere Menschen müssen arbeiten. Ja wohl, ich erinnere mich an meine Weihnachten – ich habe die Pferde und Kühe gefüttert, bin durch die Nacht in Diensten der Schweizer Post gefahren. Und ihr? Worüber sind die Weihnachten?

 

 

Der heutiger Tag und nicht nur der heutiger ist gewidmet allen Leuten guter Wille. Geniesst die Ruhe, die ihr jetzt haben könnt, erholt euch, sammelt die Kräfte, geniesst die Gesellschaft eurer Bekannten. Das geht nicht um Geschenke, Stress und Amoklauf. Es geht darum, in dem Rummel anhalten zu können…Nicht die Tradition, aber zufriedene Menschen machen die Welt zu einer wunderbaren Ort…

 

…DENN IHR MACHT DIE WELT BESONDERS, INDEM IHR EINFACH DA SEID…

 

 

 

 

 

 

 

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6 Antworten zu “Frohe Festtage allen

  1. Today, I went to the beach front with my children. I found a sea shell and gave it to my 4 year old daughter and
    said „You can hear the ocean if you put this to your ear.“
    She placed the shell to her ear and screamed.
    There was a hermit crab inside and it pinched her ear.

    She never wants to go back! LoL I know this is totally off
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