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Die Zeit der Ferien ist da. Ich freue mich sehr auf die Erholung und das Jahr habe ich mich entschlossen, nicht alleine zu reisen. Mit mir kommt mein langjähriger Kollege Housi, den kennt ihr schon aus der Reportage https://bit.ly/2ROXod5 und https://bit.ly/3hsEIL1 .Er hat 25 Jahre Hüttenwart im Ski Club gemacht und ist guter Koch, somit passt er in mein Team. Und mein zynisches Ich kommt natürlich auch mit. Wir haben gemeinsam ein Camper gemietet und holen ihn in St. Gallen ab. Von nun an geht es Richtung Graubünden. Unsere erste Station ist Campingplatz Giessenpark Bad Ragaz. Für 57 CHF für zwei Personen wartet auf uns gemütliches Komfort. Auf der Terrasse stossen wir beim Apero auf unsere Ferien an.

 

 

Nächsten Tag beginnt unseres Abenteuer. Die Pizolbahnen bringen uns hinauf, wir wollen eine der schönsten Seewanderungen der Schweiz unternehmen. Auf 1633 m.ü.m Station Pardiel steigen wir ab Richtung Pizolhütte.

 

 

Von Anfang an begeistert über die alpine Landschaft – dies gehört zu der UNESCO Weltnaturerbe unter den Namen Sardona.

 

 

Wir befinden uns auf über 2200 m.ü.m. Der Wangsersee liegt vor uns. Für kurzes Moment schleicht Nebel über die Wasserfläche. Ich knipse das Bild, einige Sekunden später zeigt sich die Sonne. Und die bleibt mit uns den ganzen Tag.

 

 

Wir landen auf Terrasse der Pizolhütte. Ein kurzer Halt, flottes Dialekt und die nette Bedienung lassen uns verstärken. Die Bahn bringt sehr viele Wanderlustigen.

 

 

Wir schliessen uns ihnen an, die erste Steigerung beginnt. Kaum zu glauben, vor vielen vielen Jahren lag hier grosser Gletscher. Den ersten Aufstieg gemeistert, bietet sich auf der Passhöhe 2493 m.ü.m Wildseeluggen eine atemberaubende Aussicht auf Wildersee.

 

 

Das Blaue ist so anziehend! Ich steige noch ein Stück hinauf und kann von hier eine wunderbare Aussicht geniessen.

 

 

Voll motiviert geht es weiter. Es folgt kurzer Abstieg zum Schottensee – hier trifft noch mehr das Blaue aufs Blau. Mein zynisches Ich fragt mich, ob das Wasser wirklich so blau ist – wir können ja schauen. Und tatsächlich, es ist blau. 

 

 

Nach kurzer Pause geht die Steigung weiter. Ich staune immer wieder wie wunderbar die Natur auf über 2000 m sein kann. Der Sommer in der Schweiz gab es das Jahr praktisch nicht, umso schöner zeigt sich der Herbst in der Alpen. Ich erreiche das Plateau und die starke Bise streichelt meine Haare.

 

 

Rechterhand zeigt sich in voller Pracht der diamantene Schwarzsee. Ein Diestel vor dem Objektiv meiner Kamera macht das Bild perfekt. Ich komme zum See und lasse die Kamera ihre Arbeit machen. Die Farbenwelt ist faszinierend. Und es geht wieder hinauf, wir gönnen uns eine kurze Verschnaufpause. Auf dieser Wanderung haben wir viele Leute gesehen, getroffen, den Vortritt gegeben, und wieder überholt.

 

 

Wir wandern weiter, ich halte an Steinmanns an. Sie trotzen hier dem starken Wind und geniessen das Interesse der Fotografen.

 

 

Von da an geht es steil runter. Die Müdigkeit lässt sich bei vielen schon sehen und wir landen beim Baschalvasee auf 2174 m.ü.m.

 

 

Der steile Abstieg folgt, es geht runter zur Bahnstation Gaffia. Unsere Wanderung ist zu Ende, die Bahn bringt uns runter und der Pendelbus wieder zurück zum Camper nach Bad Ragaz. Das alles und noch Parkplatz dazu für 93 CHF für 2 Personen. Die Wanderung ist nicht gerade die einfachste, viele haben schon von Anfang an die Kräfte überschätzt, viele mussten ausharren, man muss immer bedenken, früh zu starten und um 16:00 bei Bahn zu landen. Und wie auch immer ein grosses Danke an Fachpersonal für das nette Geplauder. Heute waren schätzungsweise über 1200 Menschen unterwegs. Für uns geht es aber weiter, ich muss neue Übernachtungsmöglichkeit suchen. Paar Minuten surfen im Internet, ich bekomme einen Vorschlag – kleiner Campingplatz Fideris.

 

 

Wie üblich beim Reisen – es kommen immer wieder Überraschungen. Genau so wie es in Rezensionen steht, zeigt sich die Realität. Eine herrliche, ruhige Lage zu entspannen. Von der Gemeinde Fideris eingerichtet, stehen zur Verfügung sanitäre Anlagen im Container, Elektrizität. Wir werden hier zwei Tage und drei Nächte verbringen, weil die Wettervorhersagen nichts Gutes melden. Für 23 CHF für Wagen ( nicht Person ) und 5 CHF Elektrizität pro Tag ist es ein Schnäppchen.

 

 

Das Wetter macht sein Ding. Wir nutzen die Gelegenheit, um uns zu erholen. Wir faulenzen vor uns hin, sogar so fest, dass wir unser Fondue Tag verschoben haben. Am nächsten Tag wird bewölkt, wir entscheiden uns, die Umgebung von Fideris zu erforschen.

 

 

Man kann nicht viel falsch machen – wir laufen durch das Dorf, nehmen Kaffee im Volg  und laufen spontan weiter. Die neugierigen Blicke der Einheimischen verfolgen uns den ganzen Weg und der führt uns bis nach Strahlegg zu Bäsäbeiz.

 

 

Ich öffne die Tür, und im Nu erscheine ich in einer anderen Welt. Die alte Wäscherei dient als kleine Selbstbedienung. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und koste die regionale Limonade. Wir setzen uns draussen und geniessen die Ambiente.

 

 

Wir laufen den gleichen Weg zurück, ich entscheide mich aber dem Arieschbach zu folgen. Es geht am Bach steil hinauf zu Alten Fiderisbad. Dies galt von langer Zeit als Kurort wohlhabenden Leuten. Von bekannten Hotels keine Spur, die Geschichte des Ersten Weltkriegs nahm ihren Lauf.

 

 

Unser Tag wird mit feinem Fondue gekrönt, denn morgens geht es hoch hinauf.

 

 

In Fideris noch Nebel, starten wir, ich leicht nervös, aber entschlossen, Richtung Flüelapass. An der Haltestelle Camper parkiert, steige ich zum meinem Ziel hinauf. Ich will meinen ersten 3000er aus eigener Kraft besteigen. Camper erscheint mir kleiner und kleiner und ich laufe dem Himmel entgegen. Die Alpen zeigen mir atemberaubende Szenerie mit smaragden Seen.

 

 

Ich bin nicht allein – eine Herde Schaffen weilt gemütlich da. Das Geröll kommt, ein junges Mädchen läuft mir nach. Ich überlasse ihr den Vortritt. Was unten Nebel und Regen war, ist hier oben Schnee und Frost. Der Nebel schleicht sich hinauf und erschwert mir die Sicht. Jetzt muss ich mental stark bleiben – ich laufe auf sehr gut beschildertem Weg von einer Markierung zur anderen. Die Blumen hier auf 3000 m geben mir Kraft. Ich laufe den Spuren nach, das Mädchen wird heute das Erste oben sein. Und kurz darauf auch ich.

 

 

Ich erreiche den 3147 m hohen Flüela Schwarzhorn. Als Belohnung gibt es die königliche Aussicht, die verschneiten Berggipfel, die Passstrasse nach Graubünden.

 

 

Ich geniesse später dann alleine die paar Minuten Ruhm und wenn ich runtersteige, treffe ich weitere zwei Frauen. Der Schwarzhorn galt heute den Frauenpower!

 

 

Es geht weiter über Offenpass nach Muglin Val Müstair. Wie immer funktioniert alles perfekt, der Campingplatz feiert dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum.

 


Am nächsten Tag planen wir eine Wanderung entlang der Bach Ovo dal Romo. Mit ÖV landen wir in Tschierv und nach ersten kleinen Orientierungsschwierigkeiten laufen wir gemütlich runter. Man hat in 2003 mit der Revitalisierung angefangen und in bald 20 Jahren hat die Natur eine Schönheit erschafft. Ich geniesse den Herbst und seine viele Farben. Wir haben gute 14 km in den Beinen. Ich werde mich erholen, denn morgen geht es noch mal hinauf.

 

 

Stiller Morgen im Camping, der Mond wacht über uns. Ich bin leicht nervös und will früh starten. Wir fahren den steilen Umbrailpass hinauf, ich habe hier meine Schulden vom letzten Jahr zu begleichen.

 

 

Auf 2501 m.ü.m. angekommen, steht ein Auto hier. Ich kleide mich an und schaue Richtung Piz Umbrail. Der Himmel wolkenlos, der Weg so frei, lege ich los. Irgendetwas ist anders, ich weiss nur nicht was. Kopf runter, geniesse ich jeden Zentimeter, es geht diesmal so einfach. Durch den Kopf gehen mir die Bilder vom letzten Jahr, wo ich mich im Schnee so hinauf quälte.

 

 

Ich treffe den ersten Paar, der runtersteigt. Beim Steinmännli halte ich an – hier musste ich ja abbrechen. Jetzt weiss ich, ich hole mir den Sieg.

 

 


Und ich steige genüsslich hinauf auf 3033 m. Oben die Überraschung – ein Kreuz schmückt den Gipfel – dies wurde vom Verein TTUmbrail hier aufgestellt am 21.07.2021. Und er wurde erst letzte Woche eingeweiht. So kann ich meine Schulden in Graubünden tilgen. Besser kann man es nicht mehr ausdenken! Ich geniesse die Aussicht. Zwei Paare kommen an, mein zynisches Ich meint: Gott sei Dank hast du mich!

 

 

Meine Schulden ausgeglichen, fahren wir Richtung Tessin. Da es zeitlich schon knapp ist, wähle ich den nächsten Campingplatz – Bodhi. Wir landen in einer anderen Welt. Housi ist mit Abstand der älteste Mann, wie ich später sehen werde, bin ich die älteste Frau hier. Der Kemp gilt als Mekka der Boulder. Junge, coole Leute aus ganz Europa sind hier. Wir ergattern letzten Platz. Mein zynisches Ich ist im siebten Himmel – der Aufkleber *Iss nicht gelben Schnee* wirft viele Fragen auf.

 

 

 Nach ihren Leistungen tauschen sich die Begeisterten aus, die feiern wie wir auch in jungen Jahren. Für heute ist genug, ich will schlafen gehen. Am nächsten Tag wollen wir ja weiter ziehen, ich kann aber nicht widerstehen, will die  Ambiente in diesem Lager fotografieren. Es stehen nur Sanitäranlagen zur Verfügung, ein Verlängerungskabel für Elektrik. Es wurde ja heftig gefeiert, die Flaschen liegen noch herum.

 

 

 Die Gurke liegt schon einige Zeit hier, den Teebeutel kann der Nächste ja gebrauchen. Es ist sowas wie Flowerpower, wie damals im Woodstock. Ich hab zwar Woodstock nicht erlebt, aber der Geist hätte hier sein können.

 

 

Und noch eine Sache lässt mein zynisches Ich nicht in Ruhe. Schon am Anfang ist uns ein Tafel aufgefallen. Also wenn man schon den gelben Schnee nicht essen soll, dann darf man auch nicht im Wald kacken! Das denkt Housi genauso und zufrieden mit diesem Ergebnis fahren wir weiter.

 

 

Wir verabschieden uns und wie durch ein Hand umdrehen über San Bernardino landen wir im Kanton Tessin. Nicht nur die Sprache wird sich ändern, das Klima auch. Das Wetter meldet sich wieder zur Wort – für nächste zwei Tage wird schlechtes Wetter gemeldet, wir landen im Campingplatz in Bellinzona. Exzellenten Platz erobert, stossen wir beim kleinen Apero auf unsere Ferien an. Für heute hat das Kulinarische von Housi frei, wir werden im Restaurant essen. Familiäre, liebevolle Atmosphäre breitet sich aus. Einfach zubereitetes Essen schmeckt hervorragend und für guten Preis.

 

 

Am Samstag lädt und die Stadt Bellinzona ein. Der Markt findet statt. Wir tauchen in die Menschenmenge ein, die idyllische Atmosphäre, bisschen feiern, sich ein Kaffee gönnen,

 

 

 Wir werden bisschen spazieren und die Glace naschen. Unser kleiner Rundgang führt uns zurück nach Camp entlang des Flusses Ticino.

 


Den nächsten Tag wird es regnen und dementsprechend sehen auch die Aktivitäten aus. Ich werde rätseln und bisschen lesen, dann geht es wieder zum Apero, plaudern mit anderen Besuchern. Ich schaue schnell am Fluss vorbei. Ich geniesse die Ambiente. Sauberes, farbiges Wasser tanzt über die Steine, der Dunst schleicht sich ein.

 

 

Am darauf folgenden Morgen ziehen wir weiter. Nicht weit entfernt besuchen wir mit der Bahn die Alpe Foppa. Die Sonne streichelt meine Wangen, die Aussicht ist atemberaubend.

 

 

Unser nächster Halt geht nach Valle Maggia. Ein friedlicher Camp, es gibt nicht viele Besucher, dafür viele kleine Kinder. Aber auch das gehört zum Campen.

 

 

 Für den nächsten Tag planen wir kleinen Rundgang in der Umgebung. Anfangs laufen wir den Wegweiser nach durch einen schönen Wald. Wie sich später herausstellt war das wieder der falsche Wegweiser und von da orientieren wir uns nach Velofahrer.

 

 

Wir kommen zu der ersten Hängebrücke, es wird Schaukeln. Housi entscheidet sich zurückzukehren und ich will noch weiterlaufen.

 

 

Ich erreiche die Ortschaft Maggia. Die Gemeinden hier sind so klein und herzig. Ich erreiche die nächste Hängebrücke und danach gleich eine wunderschöne Ortschaft Aurigeno. Die Strässchen sind so schmal und klein, damals haben die Leute so gelebt. Der Geist der Zeit bringt mich in eine andere Geschichte. Alles ist so friedlich, harmlos. Und doch nicht so leicht. Wie ich mich erkundigt habe, ist dieses Tal so gross, dass man über 2 Stunden mit dem Bus braucht, um 50 km weiter zu kommen. Die jungen Leute ziehen weg, die Ortschaften werden verlassen, es muss auch schwierig sein, hier Arbeit zu finden. Ich laufe weiter durch den Wald, der Herbst schleicht sich auch im Tessin langsam ein. Am Abend werden wir noch einfach essen und lassen den Tag ausklingen.

 

 

Genug vom Wandern, gönne ich mir nächsten Tag frei, Housi geht seinen Weg nach, ich verstecke mich nicht weit entfernt vom Camp, der am Fluss Maggia liegt. Rätseln, Chips und die Sonne sind für heute Mittelpunkt meines Lebens.

 

 

Nächsten Tag ziehen wir weiter. Auf uns wartet der letzte Ausflug, der wahre Schmuck vom Tessin und eine der schönsten Orte in der Schweiz – Verzascatal. Ich finde guten Parkplatz und wir laufen den Fluss nach. Die Brücke von Lavertezzo – Ponte dei Salti ist Symbol, einige Touristen sind schon da. Ich lasse die Kamera ihre Arbeit machen.

 

 

Wir gönnen uns in Restaurant etwas zu knabbern.

 

 

Der Fluss ist kristallklar und zeigt sich heute smaragdgrün. Ich setze mich am Rand, einige Leute erholen sich und geniessen die Sonnenstrahlen. Und ich geniesse mit. Noch paar Bilder unter der Wasseroberfläche. Sind die Farben nicht atemberaubend? Meine Ferien neigen sich zu Ende, wir müssen zurück nach St. Gallen fahren.

 

 

 Der Weg führt uns über Lukmanierpass – den kennt ihr auch schon aus meiner Reportage https://bit.ly/2EErZ6N .Ich will anhalten, im Restaurant sich Latte Macchiato gönnen und dann ans Ufer gehen. Ich nehme meine Kamera – für diesen Moment bleibe ich ganz alleine da. Hier, fast auf 2000 m Höhe bläst starke Bise. Frau Holle meldet sich zum Wort. Der See hat eine ganz andere Farbe als im Sommer, so dunkel.

 

 

Der Wind lässt die Wellen tanzen und mein zynisches Ich fragt mich leise: Du weisst was es bedeutet? Es ist Zeit, sich zu verabschieden. Genau hier, an der Grenze zweier Kantonen – Graubünden und Tessin werden meine Ferien aufhören. Zwei so verschiedenen Welten – von deutsch über rätoromanisch, von Schnee und Dreitausender in italienisch und Palmen. Ich danke von ganzem Herzen.

 


Nicht weit entfernt vom Lukmanier werden wir die letzte Nacht in Disentis verbringen. Die Saison ist vorbei, nur einige Leute übernachten noch da. Für 25 CHF für beide zeigt sich Graubünden gastfreundlich so, wie ich ihn schon seit letzten Jahr im Herzen trage. Was soll ich noch mehr sagen? Das Wetter hat absolut mitgemacht, wir hatten Glück. Das Auto war sehr komfortabel, denn jeder hatte seine Privatsphäre. Und wer hatte die schönsten Ferien? Ja klar, mein zynisches Ich…Na dann, die Ferien vorbei und schon jetzt freuen wir uns auf nächste!

 

 

 

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