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In heutiger Reportage aus dem Alltag werfen wir Blick in Hintergrund meiner Karriere. Letztes Jahr wurde ich zum Gast in Podcast von Hanka Hurabova, die einige Jahre mit ihrer Familie in der Schweiz lebt und sucht Landsleute und ihre Schicksale.

 

 

Da dieses Gespräch nur auf Tschechisch verläuft, schreibe ich für meine Leser diese Reportage, denn was wäre eine Geschichte ohne Bilder und Erinnerungen.

 

 

In die Schweiz bin ich am 18. März 1999 per Autostopp mit Rucksack gekommen, Portemonnaie vergass ich zu Hause. Mein damaliger Freund beglückte eine andere Dame (ohne mein Wissen), ich habe die Matura als Lebensmitteltechnologe knapp bestanden und nach Verlust guter Arbeit in Nationalgestüt als Pferdepflegerin hat mich zu Hause nicht mehr gehalten. Darum entschied ich in Deutschland zu Sportpferden zu arbeiten. Unterwegs über Österreich traf ich Franzosen, der nach Schweiz fuhr. Damaliger Plan war einfach – in jedem Staat Europas drei Monate zu arbeiten, Geld verdienen und reisen. Das Leben wollte es aber anders. Franzose liess mich meinem Schicksal in französisch sprechendem Ort Estavayer le Lac. Ohne jegliche Kenntnisse der französischen Sprache musste ich zurückkehren Richtung deutschsprachiger Raum. Die erste Nacht verbrachte ich mit Jugoslawen in Asylzentrum Fribourg, zweite dann Unterführung. Sonntagmorgen früh will ich weiter Richtung Bern. Na ja, fünftes Auto war schon die Polizei, die mich freundlicherweise mitgenommen hat und in Düdingen laufen liess – hast du Rucksack – gehe Wanderwege! Etwa halber Kilometer weiter waren Pferdeweiden und ich ging fragen – nein, hier ist keine Arbeit, aber nicht weit entfernt gibt es auch Stall, gehe dort fragen.

 

 

Genauso wie es im Leben geht, setze ich mich ins Gras, um Kräfte zu sammeln, und ein Reiter mit dem Pferd läuft vorbei. Nach kurzem Gespräch habe ich Arbeit und Wohnen. Hier werde ich fast drei Jahre meines Lebens verbringen, die mir ermöglichten, durch Europa mit Pferden zu reisen. Als Pflegerin des internationalen Reiters erlebte ich Siege und Niederlagen, Lachen und Tränen und viele unvergessliche Momente auf Reisen in der Schweiz,

 

 

Italien, Sizilien, Frankreich, Polen und monatiger Trip Lissabon – Madrid – Barcelona.

 

 

Das Leben mit Pferden unterwegs war aber anspruchsvoll, in mein Leben kam die Liebe und mit ihr meine neue Arbeit – Serviertochter. Ein neues Leben ging auf – ich hatte mehr Freizeit, ich lernte Skifahren und in meinem Herzen entflammte die Liebe zum Berg voller Märchen.

 

 

Obwohl das illegale Leben seine Schattenseiten hat – ich hatte keine Krankenkaskoversicherung, im Falle der Krankheit hatte ich unbezahltes Frei, 7,5 Jahre habe ich keine soziale und andere Abgaben, ich besass keine Kreditkarten, an der Bank bin ich nur vorbeigelaufen, weil ohne Dokumente kann man kein Bankkonto öffnen –  trotz allem versuchte ich das Beste daraus zu machen – in der Abendschule Migrosschule gelang es mir, meine deutschen Kenntnisse zu verbessern und Kleines deutsches Sprachdiplom zu erobern. Meine Begeisterung für Reisen kam nicht kurz – ich besuchte für sechs Wochen Italien und Rom,

 

 

mit dem Reisebus Sardinien

 

 

und Korsika

 

 

und über drei Monate in Nice Sprachaufenthalt französisch. Und noch eins habe ich gelernt – mit dem Geld auszukommen und die Lebensausgaben am Minimum zu halten.

 

Zurück aus Frankreich nahm mein Leben andere Richtung – wir trennten uns mit damaligem Partner und einige Tage später hatte ich Unfall mit dem Fahrrad. Da ich keine Versicherung besass, hatte mich trotzdem Spital Tafers genommen und verpflegt. Meine ausgeschlagene Zähne, die mir als Erinnerung geblieben sind, flickte mein Zahnarzt, dessen Arbeit ich noch heute sehr gerne nutze. Soeben mein neues Heim – Elswil, ist meine Ruheoase und meine liebevollen Vermieter kennt ihr schon aus meiner Reportage http://bit.ly/2ZDcvUT

 

 

Nach sieben Jahren Illegalität in der Schweiz machte ich mir Gedanken, wie ich meinen Aufenthalt legalisiere. Im Jahr 2007 hat sich gegenüber 1999 einiges geändert und verschiedene Möglichkeiten baten sich an – ich habe wieder über Schule nachgedacht. Die Bedingungen für Studium der französischen Sprache schienen real – 4000 SFr und jeden Nachmittag frei. In der Arbeit gaben sie mir zu Ende des Studiums die Kündigung, was jetzt? Ich entschied mich ganz einfach – egal was kommt, ich schaffe die Schule. Mit der Schule kam die Bewilligung für halbes Jahr, zur Schule fuhr ich möglichst mit dem Fahrrad, ich zahlte endlich die Unfall und Krankenversicherung.

 

 

Die Schule begann im Februar und in mein Leben trat der nächste Mann – Christoph Blocher – ein Schweizer Politiker, der die schweizerische Gesellschaft zu Wahlurnen führte, damit demokratisch entschieden wird, welche Massnahmen man über Illegale treffen wird. Tschechische Republik ist im April 2007 der EU beigetreten und die Schweiz hat mit 64 % zu unseren Gunsten entschieden. Ich werde nie diesen Tag vergessen, das Licht am Ende des Tunnels ging auf, mit Sicht auf normales, legales Leben. Das Licht schien, aber der Weg war noch lang – die Ausländer aus Ostblock waren dem Kontingent unterordnet – einer beschränkten Zahl an Arbeitsbewilligungen, die die Fremdpolizei ausgibt. Hier half mir mein Ex-Partner, der die Bewilligung besorgte, obwohl ich bei ihm nie gearbeitet habe. Alles schien einfach, jetzt muss ich nur gute Arbeit finden. Während halbes Jahres fand ich zwei Arbeiten als Küchengehilfin. Das war kein Hit. Also versendete ich die Lebensläufe laut Telefonbuch und fand prima Arbeit als Stickerin – gute Arbeitszeiten, Gratifikation, Lohn. Nach fast zwei Jahren war aber Schluss – Chef hat die Produktion samt zwei Stellen an die französische Grenze umgezogen wegen billigerer Arbeitskraft. Eine schwierige Zeit kam – im 2009 wurde die Welt von globaler Krise geplagt. Ich bin am Arbeitsamt gelandet, dabei habe ich Geld als Hilfe im Strassenverkehr verdient, der Kanton unterstützte mich auch finanziell. Aber auch das wurde dann zum Absprungbett zu meinem Traumjob – Lkw. Am Arbeitsamt sagte mir mein Berater, dass heute sein letzter Tag ist, er geht in die Rente und ich darf drei Wünsche haben. Dass ich Prinzessin bin, wissen wir schon, Bundesrätin will ich nicht werden, die Würfel sind geworfen – ich will Lkw fahren. Das Arbeitsamt half mir noch bei Motivationsschreiben, ich fand Arbeitgeber und sechs Monate danach besass ich Arbeitsvertrag und Führerausweis.

 

 

Momentan feiere ich 12 Jahre fantastischer Arbeit und ich kann mit aller Ruhe sagen, dass ich mich zu den sehr professionellen Chauffeuren zählen kann. Ich liebe meine Arbeit und Transport gehört zu den Domänen, wo man immer was Neues lernt und sieht viele Sachen.

 

 

Neben den Pflichtkursen, die ich absolvieren muss, bestand ich soeben den Kurs für gefährliche Güter,

 

 

Kurs für Stapler

 

 

und bisher meine höchste Ausbildung – Disponent Transport und Logistik. Die berechtigt mich zur Transportlizenz – selbstverständlich habe ich von klein auf meinen Traum, eigene Lkw und Firma zu besitzen. Denn je mehr ich durch die Schweiz fahre, umso mehr zieht es mich nach Hause – bei uns in Schmitten. Ich sehe dort grossen Potenzial.

 

Im privaten Leben widme ich mich genauso der Entwicklung – durch Lesen und Hören von Büchern, praktisch setze ich es dann um – zurzeit verbessere ich meine Schreibweise am PC. Obwohl ich ziemlich gut beherrsche, will ich mich verbessern und die Kenntnisse vertiefen. Ich fahre zweisprachig – deutsch und tschechisch. Ein Kurs ist gratis, einen kaufte ich. Ich finde beide lustig und vor allem – es macht riesigen Spass. Reisen ist mir auch geblieben, ihr könnt meine Reportagen hier verfolgen oder in Sozialmedia. Das ist meiner Meinung nach wichtigste – wenn es Spass macht, umso mehr gibt es Sinn. Soviel ein Stück meiner Karriere, die mit nichts angefangen hat und ist noch nicht zu Ende.

Und wie steht es um ihre Karriere?

Ich denke persönlich, dass man in heutiger Zeit viele Möglichkeiten hat, sie aufzubauen, studieren kann man in Form von Fernstudium.

Es ist aber wichtig zu wissen, was man will und eigenen Potenzial zu kennen.

Die Firmen klagen über Mangel an Arbeitskräften, daher gibt es genug Möglichkeiten.

 

 

Wie der Amerikaner Andy Growe sagte:

Die Karriere ist dein Business und du bist ihr CEO…

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrer Karriere und bis bald!

 

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