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Meine Ferien wälzen sich gemütlich vor sich hin, das Wochenende klopft an die Tür. Ich stehe auf und will heute neuen Ausflug unternehmen. Frau Holle melden sich langsam zum Wort, die obligate Autopflege, tanken und warmen Kaffee für mein zynisches Ich und ich kann losfahren.

 

 

Ich fahre Richtung Erlach, wo ich den späten Herbst am Ufer vom Bielersee geniessen werde. Nach vielen Tagen mit Nebel meldet sich endlich die Sonne. Bei uns – aber nicht so hier unten im Seeland. Die dicke Suppe verschlingt mich kurz nach Abfahrt.

 

 

Ich parke beim Camping Erlach und laufe los. Nach kurzer Zeit heisst mich die St. Petersinsel herzlich willkommen.

 

 

Die heutige Halbinsel war früher eine echte Insel, damals die grösste der Schweiz. Im 18. Jahrhundert hat man aber seinen Spiegel über 2 m gesenkt, und so entstand die Passage zwischen Erlach und der Insel, wo ich jetzt dadurch laufe.  Die Insel ist autofrei. Man kann sich nicht verlaufen, es gibt nur einen Weg. Ich laufe alleine die Strasse entlang.

 

 

Das Gezwitscher der Vögel wird mich begleiten. Der Herbst zeigt sich in voller Pracht. Ich geniesse als Fotograf die Schönheit der Natur. Die Wanderung stand schon lange auf meiner Wunschliste, ich wollte sie im Frühling unternehmen. Das Wetter hat mich aber anders belehrt – wie viele Niederschläge haben die Schweiz bis in weiten Sommer geplagt. Dann kam die Überschwemmung, die St. Petersinsel wurde sogar gesperrt. Jetzt ist der Hochnebel da und trotzdem hat auch diese Szenerie seinen Charme.

 

 

Auf gekennzeichneten Fusswegen darf man den Hauptweg verlassen, heute ist aber nichts zu sehen, macht nix – mein geübtes Auge entdeckt trotzdem die Schönheit.

 

 

Ich erreiche die imaginäre Grenze zwischen den Gemeinden Erlach und Twann. Diese nahegelegene Gemeinden sorgen gemeinsam für die historische Erbe und heute gilt die St. Petersinsel als Naturschutzgebiet.

 

 

Der Aussichtspunkt kommt, ich steige die Holztreppe hinauf, ich gebe zu – der Ausblick ist bisschen getrübt. Es hat trotzdem seine Vorteile – ich bin ganz alleine hier.

 

 

Eine weitere wunderschöne Allee breitet sich von mir aus. Mein zynisches Ich ruft schon: Siehe da, der Santa Claus ist auch schon unterwegs!!!

 

 

Die Insel ist leicht überschaubar. Etwa 100 m vom Weg lande ich am Ufer. Viele Vogelarten bewohnen die Insel. Sie tauchen ab und auf und leben ihr Alltag. Das Wasser ist sauber, aber der See so unruhig. Hier wird heute die Sonne nicht mehr kommen.

 

 

Die Vogelwelt hat den Schnabel vor zu tun, schon bald wird der Winter kommen. Ich laufe gemütlich weiter das zwitschern begleitet mich ständig. Ich muss zugeben – das laufen macht langsam warm und ich muss meine Jacke abziehen. Und auf einmal bin ich nicht alleine – ein Jogger rennt durch die Gegend mit Musik und türkischen Gedüdel. Und der Bauer mit Traktor fährt auch schnell vorbei – wie ich aus den Nachrichten erfahren habe, pachtet er hier die Farm.

 

 

Die Insel kann auch sehr gut mit einem Schiff erreicht werden, das gehört zu den touristischen Attraktionen. Das Wasser ist so grün und klar und die Sicht so vernebelt. Der See heisst Bielersee und der Schiff wird nur am Sonntag kommen, denn seit einem Monat gilt der Fahrplan Winter. Und noch eine Besonderheit gilt am Bielersee – er gehört zu drei Seen – man kann wunderbar mit dem Schiff über Murtensee – Neuenburgersee und Bielersee fahren bis in Solothurn. 

 

 

Aus meinen Gedanken reisst mir so bekanntes Muuuh. Und wo ein Muuuh tönt, dort weilt sicher eine Herde. Die schwarze Angusen geniessen die Weiden. Wie schon erwähnt, lebt hier die Familie Schumacher auf ihrem Biohof. Man kann sich auch der Inseltraum erfüllen und im Bauernhaus übernachten. Sicher eine sehr willkommene Abwechslung.

 

 

Nicht weit entfernt ist man wieder am Ufer des Sees. Das Wasser lädt zum Baden ein – für heute lehne ich ab. Zahlreiche Bootsstege stehen zur Verfügung – das Restaurant Kloster wird gerne besucht. Heute herrscht aber die Stille. 

 

 

Ich will noch den Seeufer geniessen und unten Bäumen entdecke ich eine Statue. Im Jahre 1765 wurde sie für paar Wochen zum Zufluchtsort für den bekannten Schriftsteller aus Genf – Jean Jacques Rousseau. Das machte die Insel europaweit bekannt, im 1779 war auch Johann Wolfgang von Goethe hier zu Besuch. Und Herr Biber auch. 

 

 

Die Glocke schlägt zwölf Mal – der Tag halbiert sich und mein Magen knurrt. Mein zynisches ich fragt mich – gehen wir mal was essen? Ich öffne die Schlosstür und erscheine in einer ganz anderen Welt. Es erinnert mich an Aschenputtel, die hatte ja auch auf dem Hof gelebt. Das Kloster entsteht seit 1127. Hier haben die Kapuziner unter dem Schutz von Peter und Paulus gelebt – daher auch der Name St. Petersinsel.

 

 

Ich muss draussen sitzen. Ich habe Glück, die Herbstferien hier sind vorbei und das Restaurant und Hotel nimmt wieder seinen Betrieb auf. Ich wärme mich mit dem Tee und werde heute vegetarisch essen – die Kokos – Linsen – Dal mit Pitabrot und Koriander – Minz Joghurt. Das Sitzen auf der Terrasse hat auch seine Vorteile, ich geniesse die atemberaubende vorweihnachtliche Ambiente, höfliches Service im wahrsten Sinne des Wortes. Noch einmal gönne ich mir zum Aufwärmen Schwarztee mit Keks von Kambly. Aber die Reportage kennt ihr auch schon, erinnert euch? https://bit.ly/2ROXod5

 

 

Gut gelaunt und aufgewärmt werde ich zurückkehren. Ich kann auf dem gleichen Weg zurück oder ich kann nur noch zum St. Petersinsel Nord laufen. Eine tolle Entscheidung – hier ist Blätterwald und der Herbst zeigt sich in schönsten Farben.

 

 

Ich mache einen kleinen Abstecher zum Badeplatz und in der Ferne sehe ich die Zivilisation – die Gemeinde Ligerz. Mein zynisches ich schmunzelt: dort fahren wir Lastwagen und sind unterwegs für euch. Zurück auf dem Weg fallen mir über den Kopf die Blätter.

 

 

Auf dieser Seite der Insel unterstützt den Laufweg eine Mauer. Wie ich erfahre aus Denktafel wurde sie über vier Jahre gebaut, man hat mit Sträflingen gearbeitet. Zu dieser Zeit galt diese Ausbau zu den grössten Tiefbauleistungen des alten Bern. Ihre Spuren sind sichtbar noch heute und erfüllen ihren Zweck – sie schützen vor dem Hochwasser.

 

 

Ich laufe zurück, den gleichen Weg auf andere Art und Weise. Es kommen zum Vorschein Sachen, die ich vorher nicht gesehen habe. Meine Wanderung auf St. Petersinsel geht zu Ende. Der Heimweg führt über Aarberg, wo ich mir wie auch immer einen Desert gönne – das Mal die saisonale Vermicelles mit Vanilglace und Rahm. Eine wunderbare Krönung einer adeligen Wanderung im Seeland.

Was soll ich noch sagen?

 

 

Nach Hunden wird gesammelt, mit einer Ausnahme war sehr sauber, Abfall wird weggeräumt. Die Insel ist wunderbarer Ort für Verliebte, ich empfehle die Reservation im Restaurant, es gibt dem Ausflug schönen Charme. Falls ihr picknicken wollt, hat es genug Platz. Wenn ihr mit Kinder kommt – ebenfalls – der Ausflug ist 13 Km lang, sie werden am Abend schlafen wie die Murmeli. Nur eine Sache ist auf solchen Orten kompliziert – wohin auf die Toilette? Das war möglich nur im Restaurant. Was ich darüber denke kennt ihr auch schon aus meiner Reportage http://bit.ly/2l7OhUT

Na dann, weiterer wunderbare Ausflug ist hinter uns, wir haben ja mehr Kühe gesehen als Menschen, ahoi!

 

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Wildersee

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