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Der Frühling ist da und ich will die Landschaft rundum Emmental besuchen. Ziel meiner Reise steht fest – die traditionelle Biscuitfabrik Kambly in Trubschachen. Es ist unser Kunde, jeder Chauffeur bekommt dort viele Süssigkeiten geschenkt und ich bin immer sehr dankbar.

 

 

Die Gegend ist ebenfalls bekannt durch Wanderungen in Umgebung und so packe ich mein zynisches Ich und meinen Kollegen Housi. Den kennt ihr wiederum aus meiner Reportagen über Skiclub Enzian  https://bit.ly/3hsEIL1 . Im Dorf Eggiwil angekommen, unter strengen Blicken der Einheimischen, können wir loslegen.

 

 

Obwohl es Mitte April ist, ist morgens richtig frisch. Noch letzte Kontrolle, ob wir alles dabei haben und Housi nimmt die Jacke mit. Schon nach einigen Metern kommt die erste Steigerung und Housi nimmt einen Stock aus meiner Hand. Du brauchst doch keinen, Helena. Ich muss schmunzeln und mein zynisches Ich flüstert leise: Schweige mal, er hat ja das Essen mit!!! Das stimmt, wir müssen überleben!

 

 

Der Frühling meldet sich zum Wort, ich sehe die wunderschöne Blumen, die am Rande blühen. Wir gehen an einer Hütte vorbei, wo im Sommer die Tiere weilen werden. Die Bauern bieten ihre Produkte an. Sieht danach aus, dass es schöner Tag werden könnte. Wir gönnen uns die erste Pause, setzen wir uns hin und geniessen die Aussicht. Die Waldbewohner leisten uns Gesellschaft, sind neugierig, der Fink schaut uns an. Es geht weiter los und der Himmel wird langsam blau, es macht uns viel Hoffnung.

 

 

Wir sind immer noch unterhalb Tausend – Meter – Grenze. Die Welt wird ganz langsam wach, beim Wald grast der Rehbock. Wir sind zufrieden, die Bisquits im Visier geben uns Kraft.

 

 

Nach der langen Steigerung wird es oben sehr kalt, die Bise bläst ganz stark, die Bäckchen werden rot. Frau Holle hat hier das sagen. Housi lacht, sollte ja eine Frühlingswanderung werden. Die Bäume sind von Väterchen Frost bekleidet. Wir erreichen Hülli auf 1136 m.ü.m. Der Hunger macht sich bemerkbar, hinter der Hüllihütte werden wir picknicken. Es ist aber so kalt und windig, mit dem Essen ist es schnell vorbei. Housi ist froh um seine Jacke, ich werde meinen zweiten Stöckchen los.

 

 

Wir müssen wieder hinauf steigen und je mehr wir steigen, umso windiger wird es. Housi verliert die Hoffnung, er meint es werden keine Krokussen wachsen. Aber mein kleines, zynisches Ich flüstert leise und fest entschlossen:

 

 

Noch ein Kilometer, dann werden wir es wissen… Wir erreichen den Vorder Rämisgumme auf 1257 m.ü.m. Wir sind nicht die Einzigen, handvoll Hartgesotteten sind da. Sie laufen durch den Nebel, reden über ihre Probleme.

 

 

Meine zynisches ich ruft schon: Guck mal die wunderschönen Blumen! Und tatsächlich! Die ersten Krokussen! Der Frost und Bise haben ihre Blütenkelchen verschlossen und dessen Schönheit von der Welt bewahrt.

 

 

Ich laufe weiter in Landschaft auf der Suche nach der Schönheit. Mein zynisches Ich ist glücklich, so viel Pracht! Wie tapfer trotzen sie dem Frost!

 

 

Ich bewundere die kleine Blümchen, es ist wie unseres Leben – nicht immer scheint die Sonne, nicht immer läuft alles so wie man will.

 

 

Am Bach wachsen die Sumpfdotterblumen, sie strahlen mit ihren gelben Blüten in die ganze Welt. Die Bäume haben sich in weissen Schleier verhüllt. Es ist kalt, grau und unwirtlich. Aber wenn man genau hinschaut und sich in die Natur hinein fühlt, sieht man und fühlt die Schönheit.

 

 

Wir laufen den gleichen Weg wieder zurück, ein Blick in die Natur gibt uns klar zu verstehen, dass hier oben der Winter noch nicht vorbei ist. Was wir zu diesem Punkt nicht ahnen – der Frühling wird sehr langsam kommen auch bei uns unten.

 

 

Der Bach und Sumpfdotterblumen ziehen mich an. Vor dem grauen Hintergrund kommen sie umso mehr zum Vorschein. Wenn ich mich über sie beuge, mein Herz verschmelzt ganz – für ihre natürliche Eleganz a die Entschlossenheit, so tapfer zu sein! Mein zynisches Ich ist glücklich – siehst de, es war es wert, hierher zu kommen!

 

 

Es ist Zeit, weiter zu gehen. Wir steigen runter, schon nach einigen Minuten wird sich auch das Wetter ändern. Hier und da stehen die Bauernhöfe und die Landwirten bieten ihre Produkte an. Die Sonne lässt sich auch kürzlich zeigen.

 

 

Und Housi taucht genauso auf. Ich werde erfahren, dass er seine Stöckchen mitnehmen wollte, aber es war ja nicht nötig! Mein zynisches Ich meint: Ja klar nicht, dafür kann er ja meine benutzen!

 

 

Wir laufen am Unter Bergen vorbei, hier strahlen die Blumen um die Wette. Nur wir haben immer noch rote Bäckchen. Nach 14 km erreichen wir unseren Ziel – die Fabrik Kambly in Trubschachen. Ich offeriere einen Kaffee und gönne mir Süssigkeiten. Selbstverständlich kaufe ich mir auch etwas nach Hause. Unseres Ziel erreicht, meine Stöckchen wieder im Rucksack, müssen wir zurück zum Auto.

 

 

Freundlich von Einheimischen werden wir beraten und mit öffentlichem Verkehr nach Eggiwil fahren. Im Auto noch bisschen Krach, wo muss man genau hinfahren? Ja dafür hat man die Navigation denke ich. Ich weiss nicht, wie es funktioniert, erwidert Housi. Ziel eingeben und Bild beobachten, so einfach!!! Das ist ja für dumme Leute gebaut, ist meine Antwort. Housi entgegnet: Darum schaue ich es gar nicht an! Mein zynisches Ich lacht schon: Siehst de, das ist was für intelligente Frauen, die nicht lesen können!

 


Gut angekommen und mit dem Tee und Süssigkeiten werde ich die Bilder anschauen. Drei Wochen danach werden in Medien Fotos erscheinen mit blühenden Krokussen auf dem Rämisgummen. Mein zynisches Ich fragt mich im Bettchen: Ist es nicht wunderbar? Und wie! Alles braucht seine Zeit und alles wird wieder gut, genau so wie in unseren Leben! Wir haben euch in die Schönheit der Natur mitgenommen, aber jetzt schlaf schon! Auf Wiedesehen! 

 

 

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