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Es ist der 06. 02. 2018. Nationalfeiertag Neuseelands. Ich übernachte direkt im Mount Egmont Nationalpark am Parkplatz des DOC. Das darf man hier freundlicherweise gratis für zwei Nächte tun. Der Mount Taranaki ist bekannt für seine perfekt geformte Spitze und seine seltsame Geschichte. Die alte Maori Legende sagt, dass er eine Liebesgeschichte mit dem wunderbaren Vulkan Pihanga anfing und erwischt wurde von ihrem Liebhaber Mt. Tongariro. Aus Schande oder um den Frieden zu bewahren, floh der Mount Taranaki an seinen jetzigen Standort. Sein letzter Ausbruch ist in 1854 datiert und die Wissenschaftler sind sich einig: er ist nicht erloschen, er schläft nur. Laut der Kiwis ist hier wegen seiner Ascher der fruchtbarsten Boden im ganzen Land. Er ist aber auch bekannt für sein steiler Aufstieg.

 

 

Voll Überzeugung gehe ich ihn ganz langsam an. Die erste Etappe führt durch Regenwald bis Tahurangi Lodge, wo man auch nach Absprache übernachten darf. Das Wetter ist nicht gerade unserseits. Einige brechen schon hier ab. Von hier an geht es über die Treppe steil hinauf. Hier treffe ich im Nebel die, die die Tour abbrechen und zurückkehren. Von mir ist ein junges Paar. Auf dem Foto mag es aussehen, dass sie sich vorbeugen und stehen. Tatsächlich stehen sie, ich auch, weil der Gegenwind und Regen so stark peitschen, dass wir teilweise einfach nicht mehr weiter gehen können. Es ist Wahnsinn, denn so stark es regnet, so stark ist der Wind und meine Kleidung ist im Nu trocken. Es kommt aber noch steiler: Der Weg führt uns zwischen die Steinen steil hinauf, Kletterei ist angesagt.

 

 

Ich lande im Schnee, im Sattel und dem Kraterkegel von Mount Tanaraki. Aber es geht noch mal zehn Minuten hinauf, wo auch ich kurz nach dem jungem Paar den Gipfel erreiche. Ich stehe auf 2519 m.ü.m, es ist enorm windig und nebelig. Ich rede kurz mit dem jungen Paar, sie kommen von Auckland. Es kommen noch andere Leute dazu, der Vater mit dem Sohn, aus Wellington. Auch mit denen plaudere ich und hoppla: Der Vater meint, letztes Jahr im September seien sie in Urlaub in Prag gewesen, eine wunderbare Stadt mit vielen Touristen. Und noch ein junges Paar gesellt sich zu uns und siehe da: die Tschechen!!! Sie arbeiten hier und fahren durch das Land. Der Nationalfeiertag Neuseelands am zweithöchsten Berg der Nordinsel mit Einheimischen und Tschechen. Eigentlich perfekt.

 

 

Es ist Zeit, runterzugehen. Der Weg ist so steil und rutschig, dass ich dreimal hinunterfalle. Je mehr ich runter gehe, umso schönere Aussicht. Ich bewundere die Vegetation, die hier wächst. Und als ich zum Parkplatz komme, scheint die Sonne, die Schmetterlingen fliegen und die Welt ist in Ordnung. Für ganz kurze Zeit zeigt sich der Mount Taranaki in voller Pracht. Die wartenden Touristen jubeln, morgen wird es schön sein. Das meinen sie, der Berg wird sie nächsten Tag unter gleichen Bedingungen anders belehren. Mein zynisches Ich hat grosse Freude und flüstert: Der Berg ist so wie die heutigen Männer. Er ist wunderbar, bekannt, anziehend, erfolgreich, interessant. Aber er ist verletzt und er hält seine Wut inne. Er ist in seiner Weise distanziert.

 

 

Ich muss meinem zynischen Ich recht geben, denn erst drei Tage später, aus sicherer Distanz zeigt er sich wunderbar strahlend als ich weiter fahre. Meine rechte Popohälfte ist schwarz. Langsam Zeit, zurück zu fahren Richtung Flughafen, wo alles angefangen hat, denn jeder Anfang hat auch sein Ende. Bis nächstes Mal.

 

 

 

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