204 0

Februar 2017 ist gekommen. Ich entscheide mich zum dritten Mal die Vereinigten Arabischen Emirate zu besuchen und noch mal das Land auf andere Art und Weise erleben. Das Reisebüro hat alles erledigt und ich lande in Dubai. Dieses Mal habe ich mich gründlich vorbereitet – Ich habe mich von einer muslimischen Frau bei ihr im Geschäft beraten lassen und das Kleid direkt gekauft. Sechs Stunden Flug sind hinter mir. Im Flugzeug habe ich mich umgekleidet und auf die Abfertigung wartend, stehe ich da mit kleinen Augen und der Zollbeamte wünscht mir alles Gute zum Geburtstag! Tatsächlich – am meinen Geburtstag bin ich in Dubai, na das wird ja perfekt sein!

 

 

Ich übernehme mein Auto und für dieses Mal fahre ich nach links. Etwa zehn Kilometer von Dubai liegt das Emirat Sharjah. Es ist weniger mehr pompös, ich laufe am Strand. Im Sharjah lebt etwa ein Million Einwohner. Das Emirat hat grosse Gasreserven, Industrie, Frachtverkehr und legt grossen Wert an Kultur. Die Stadt ist kostspielig renoviert und dauernd wird hier gebaut.

 

 

Ich besuche das Sharjah Maritim Museum, das sich der maritimen Traditionen des Landes widmet. In der Nachbarschaft liegt das Sharjah Aquarium mit 1,8 Millionen Liter Wasser und bietet den Anblick unter die Oberfläche des Arabischen Meeres. Durch Glastunnel kann man die Moränen, Haie und verschieden, farbigen Fische beobachten.

 

 

Der Abend naht und ich muss Platz zum Übernachten finden. Ich wähle kleinen Parkplatz mit wunderbarer Aussicht auf Skyline von Dubai. Das Lichtspiel, Farben und der Nachthimmel widerspiegeln sich auf den Wellen wie im Film. Die gleiche Kulisse, aber bei Morgendämmerung prickelt in meinen Augen. Ich gönne mir einfaches Morgenessen und fahre weiter.

 

 

Ich fahre durch das Emirat Umm Al Qaiwain. Ich will einen Moment den Strand und der Alltag der Einheimischen geniessen. Obwohl die Sonne scheint, bläst starker Wind. Ich verweile hier, ich will aufatmen, die Stadt ist sehr ruhig.

 

 

Am nächsten Tag am Morgen wartet nächstes Abenteuer auf mich. Ich fahre nach Al Labsa Camel Race Course – die Sandbahn für das Kamelrennen. Die Wettkämpfe der Kamels, Rennpferden, arabischen Pferden und Falken gehörten zu grössten Sportereignissen der Arabischen Welt. Ich habe Glück, ganze Gruppen von Kamels mit Reitern kommen der Morgensonne entgegen, um sich dem Training zu widmen. In ganzem Wirrwarr ist mir entgangen, dass ich die einzige Frau da bin. Ich lasse mich durch die Atmosphäre hinreisen und fotografiere so was zufrieden. Mein zynisches Ich ist im siebten Himmel, das ist so ein Abenteuer! Ein Auto hält bei mir an und eine unglaubliche Frage kommt:

 

 

Und für welche Zeitung arbeiten Sie? Ich muss lachen, ich bin kein Sportfotograf. Aber für den ganzen Vormittag geniesse ich diesen Status. Ausser Trainer und den Teilnehmern tauchen hier und da die Tierzuschauer – nicht dass es sie interessiert.

 

 

Die Sonne und der warme Tag locken mich weiter. Auf der Autobahn über Stock und Stein, wo auch andere Regeln gelten, fahre ich zur Grenze mit Sultanat Oman, wo meine Fahrt endet. Ich parkiere beim Strand und ich lasse mich von den so ruhigen Nachmittag bezaubern. Es ist so behaglich, dass ich noch länger verweile.

 

 

Die Sonne rollt langsam zum Horizont, die Dorfbewohner kommen langsam an. Ich bin sehr froh, dass ich geblieben bin, weil die Einheimischen im Sonnenuntergang Fussball spielen werden. So friedliebende Stimmung herrscht, die Momentaufnahme halte ich mit Kamera fest. Ist das nicht wunderbar? Die Sonne ist untergegangen, die Menschen sind nach Hause und ich fahre weiter.

 

 

Was in Emiraten wie ein später Abend aussieht, ist bei uns in Europa erst Nachmittag, denn ich befinde mich in der Zone mit drei Stunden Vorsprung. Ich nütze das aus und in etwa zwei Stunden erreiche das höchste Gebirge des Landes – Djabel Jais. Hier werde ich übernachten und ich freue mich, was der nächste Tag bringt.

 

 

Ich erwache in einen sonnigen Morgen. Zum Gipfel auf 1892 m.n.m. hinauf ist nicht möglich, die Strasse wird  grossräumig saniert. Trotzdem eröffnet sich von mir wunderbare Aussicht in die Umgebung. Dieser Ort ist beliebte touristische Attraktion, die ersten Velofahrer kommen an. Mich verschlingt die Realität des Alltags, die Ziegen und Abfall.

 

 

Die Zeit zum Mittagessen ist da. In so kurzen Ferien lasse ich mir kochen, mein zynisches Ich ist zufrieden, dass wie mal nichts machen müssen. Die verschiedene Kulturen und Ethnikum, die hier leben, bieten verschiedene Leckerbissen und Gerichte gegebener Landes. Eine Weile Relax und Ruhe nach dem feinem, aber einfachem Essen, dann geht es weiter. Heutigen Abend verbringe ich im Emirat Fujairah, in der Stadt Kalba, am Strand.

 

 

Sehr starker Wind fängt an zu sausen. Der Kalender zeigt Freitag – in Emiraten gilt er als freier Tag. Frauen mit Kindern kommen an, sie bereiten das Picknicken vor. Ich laufe am Strand, ich schaue das Leben der Menschen hier und auf einmal höre ich neben mir die Kinderstimme – Salam. Zu meinem grossen Erstaunen bekomme ich von Kindern kleinen Proviant.

 

 

Ich bin wieder sehr dankbar für die einheimische Gastfreundlichkeit. Die Sonne rollt zum Horizont, bunter Farbentanz auf dem Himmel zaubert herrliche Stimmung und für heute ist die Vorstellung zu Ende. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahne – es ist letzter sichtbarer Sonnenuntergang in meinem Urlaub.

 

 

Nicht weit entfernt besuche ich den Hatta See, der für seine grüne Farbe bekannt ist. Niemand ist da, ich geniesse das Alleinsein in vollen Zügen.

 

 

Die Ferien führen mich weiter, ich besuche einen weiteren bekannten Ort Mileiha im Emirat Schardscha. Er ist berühmt durch seine archäologischen Funde aus verschiedenen Zeitaltern. Mich interessiert aber die Landschaft. Der Himmel prophezeit nichts Gutes, aber gibt der Wüste orange Nuancen.

 

 

Einige Häuschen in weisser Farbe in der ganzen Szenerie kurz vor dem Regenausbruch sind fantastisch. Die Einheimischen fahren durch die Dunen, sonst herrscht Ruhe. Ich laufe barfuss durch den Sand, mancher Ort sind meine Fussabdrücke die ersten. Mein zynisches Ich ist glücklich und ich mit ihm.

 

 

Ich klopfe den Sand von meinen Füssen ab, setze mich in Auto. Die ersten Regentropfen fallen auf die Windschutzscheibe. Ich fahre wieder Richtung Dubai, mein zynisches Ich meint naiv, wir hätten ja die Camels auf den Weiden fotografieren können. Das habe ich auch gedacht, aber der Wind ist so stark, dass beim Aussteigen die ganze Wüste durch das Auto fegt und nur ein Narr würde bei diesem Wetter draussen sein.

 

 

Das Wetter bleibt stur, die Emiraten verhüllen ihre Schönheit und doch sehen sie im Staubsturm faszinierend. Ich fahre einfach, halte an, wo es mir gerade gefällt. Wie wir alle wissen, leben Emiraten vom Schwarzem Gold – den Erdölreserven, die in zahlreichen Raffinerien verarbeitet werden. Die sind streng von der Arabischen Militär bewacht.

 

 

In Emiraten wird sehr viel ausgebaut und dessen Strassennetz ist in bester Zustand. Es läuft eigentlich immer etwas – die Arbeiter, die mit den Büssen zu Bohrtürmen gebracht werden, die LKW’s, die die Autobahnen durchkreuzen. Ich bin mittendrin in dem Leben, das mir so bekannt ist hier, bei uns in Europa.

 

 

Ich komme in Dubai an. Die Stadt der Superlative, die man einfach mal gesehen haben muss. Obwohl es auf dem Foto gar nicht so aussieht, die Wolkenkratzer verhüllen sich im Sturm und Wolken. Auch das ist Dubai. Meine Tage in arabischer Welt werden langsam gezählt.

 

 

Ich geniesse noch mal ausgiebig die Atmosphäre in grössten Shoppingmall der Welt. Noch schnell nach draussen schauen und mal sich mit der zur Zeit immer noch höchsten Gebäude der Welt ablichten – dem Burj Khalifa. Ok, es reichte nicht, alles in ein Bild reinzustopfen. Und hinauf zu fahren? War schon im Plan, es lief nach Plan, nur sind manchmal die Pläne halt scheisse. Der Andrang war so gross, dass ich auf die Tour in 124 Stock verzichtet habe. Und mal ehrlich, ich habe wirklich viel erlebt. Aber Burj Khalifa hat einfach seinen Charme, ist wahres Zeichen von Dubai – er wurde sechs Jahre gebaut, kostete 3 Mrd. Euro, ist 828 Meter schlank, hat 189 Etagen, 57 Aufzüge, 1044 Apartmentwohnungen und die Spitze kann beim Wind bis zu 1,5 M schwanken. Es gibt viele brisanten Reportagen über Burj Khalifa.

 

 

Der Donnerstag ist da und im Wintermonaten in Dubai gelten diese Tage den Pferden. Ich fahre ( und nicht nur ich ) nach Meydan, wo sich die grösste und aufwändigste Rennbahn der Welt befindet. Hier werden jährlich die bedeutsamsten Galopprennen der Vollblüter ausgetragen. Nur die Tribüne misst 1,5 Kilometer und bietet Aussicht für 60.000 Zuschauer. In einem Monat – im März, werden sie hier dem Sieger von höchst dotierten Galopprennen der Welt – Dubai World Cup, applaudieren. Dieses Rennen hat der Shaik von Dubai – Mohammed bin Rashid Al Maktoum im Jahr 1996 ins Leben gerufen. Er ist selbst passionierter Pferdeliebhaber und Besitzer der Godolphin – Stables, der berühmten Ställen. Und Bedingungen? Ein vierjähriger oder älterer Vollbluter, der die 2000 Meter Strecke in zwei Minuten schafft – und auf eurem Konto landen zehn Millionen Dollars. Mein zynisches, freches Ich lächelt schon: In zwei Minuten so reich? Das ist so was süss!

 

 

Die Anzahl von Zuschauern ist enorm und tatsächlich, man sieht das öffentliche Interesse an diesem Sport. Ganze Familien mit Kindern sind hierher gekommen, die Männer flimmern von Freude. Ich muss wieder dezent betonen, dass ich kein Sportfotograf bin, aber wenn interessiert’s? Die Feierlichkeiten sind in vollem Gange, also geniesse ich auch mit.

 

 

Die Wettläufe folgen nach und nach, die Sieger freuen sich grosser Bewunderung. Überall ist modernste Technik zu sehen, alles wird in die weite Welt übertragen, damit auch Fans in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten an heutigen Abend teilnehmen können.

 

 

Ich verabschiede mich langsam von Emiraten. Drei Besuche, fünf Wochen im Land der moslemischen Traditionen ist vorbei. Die letzte Nacht steht bevor, ich werde noch mal die Skyline von Dubai sehen. Und ich weiss schon, was auf mich wartet – die herrenlosen Katzen. Die kennt ihr schon aus meiner Reportage https://bit.ly/3oTMC0I. Die Einheimischen füttern sie, die Katzen sehen gut aus.

 

 

Sie leben ja in einer der luxuriösesten Destinationen der Welt. Und dabei haben sie in dem allem Luxus nicht mal Dach über Kopf. Manche lassen sich streicheln, manche glauben der Menschenhand nicht mehr. Sie haben die Aussicht auf’s Meer und trinken Wasser aus Pfützen. Manche kommen für’s Streicheln, andere wollen nicht. Sie warten vielleicht naiv auf ihren Besitzer, der das Land verlassen hat, weil er gedacht hat, dass das Gold auf den Palmen wächst und merkte dann, dass es auch hier gar nicht so einfach ist.

 

 

Ich kehre in die Schweiz zurück, sechs Stunden Flug hinter mir. Viel Zeit ist seither vergangen, die Emiraten haben auch heute ihren Glanz. Und nicht nur sie. Die Katzen blieben mir tief in meinem Herzen verborgen, ihr Blick, ihre Augen. Aus dem Internet erfahre ich, dass in Dubai eine gemeinnützige Organisation weilt, die nach Strassenkatzen schaut. Aber auch sie kann den Katzen die Umarmung und das Gefühl der Geborgenheit bieten. Ich verabschiede mich, mein zynisches Ich winkt euch, eine spannende Reise ist hinter uns, vielleicht habt ihr Motivation oder Nostalgie erlebt. Ich freue mich auf Wiedersehen und bis bald!

 

 

 

Beitrag teilen

Krokussen und Süssigkeiten

« Vorderer Beitrag

Sizilien 2010

Nächster Beitrag »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.