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Der Berg voller Märchen und Geschichten rundum 2185 m.n.m. Wahrscheinlich fragt euch, wo das ist. Die Zeit der Ferien ist vorbei, der Herbst schleicht sich langsam ein und für mich beginnen meine Ferien. Mein zynisches Ich ist überglücklich, freut sich sehr, wir haben viel vor. Und jetzt ist die beste Zeit euch der Berg voller Märchen vorzustellen.

 

 

Ich habe dazu ganz guten Grund, bei mir ist zur Besuch mein ehemaliger Kollege – der Franzose Fredy. Unsere Arbeit hat uns zusammen geführt, wir haben die Schweizer Autobahnen geritten. Ich reite sie noch heute und Fredy ging seinem Traum nach – er fährt durch Kanada und Amerika.

 

 

Der Berg voller Märchen liegt bei uns im Kanton Fribourg, in wunderbarer Gegend namens Schwarzsee. Der ist von umliegenden Gipfeln, fast alle über 2000 m.n.m., umgeben. Für mich war es sofort von Anfang an die Liebe auf den ersten Blick, mein damaliger Freund hat mich hierher gebracht und der nächste hat mir das Skifahren mit 24 Jahren beigebracht. Mein freches zynisches Ich klagt schon: Aber du hast die Männer schon nicht mehr! Das habe ich nicht, aber die Liebe zum Berg voller Märchen ist geblieben. Er ist für mich der Ort, wo das Märchen zur Realität wird und die Realität zum Märchen.

 

 

Wir fahren los in den sonnigen Morgen. Heute machen wir „ Champagner Tourismus „. Viel sehen, erleben und nicht viel dafür tun. Wir beginnen mit dem Spaziergang, es ist ruhig, der Himmel ohne Wolken verspricht einen wunderbaren Tag. Der Seerundgang ist den Sagen und Hexen gewidmet. Mein schnodderiges zynisches Ich schwatzt schon: Genau hier wird das Märchen zur Realität, weil man die Hexen in der Schweiz noch heute findet und sie sind genau so hässlich und mühsam wie damals. Nur der Besen fehlt.

 

 

Unser erster Halt führt uns zur Grotte. Ein Ort wie geschaffen für Erinnerungen an die, die nicht mehr da sind. In aller Stille zünden wir zwei Kerzen an. Die genaue Entstehung der Grotte ist nicht bekannt, aber man schätzt sie in Jahr 1921.

 

 

Wir laufen weiter und ein Hundekollege lauft uns entgegen. Die Hunde mögen auch die Spaziergänge rund um See. Die Bank lockt zum Hinsetzen und Verweilen. Wir haben ja Zeit. Auf einmal hören wir das Jaulen und die Glocken. Die Bauer ziehen mit den Tieren in die Vorderweiden um, in zwei Wochen geht der Sommer in den Bergen zu Ende und damit die Zeit, in Tal zurückzukehren.

 

 

Der Morgenzauber hat seinen einzigartigen Hauch. Die Seefläche spiegelt die ganze Umgebung. Die nächste Attraktion wartet auf uns – der Drache. Sein boshaftes Brummen und rote Augen lassen sein Zorn erahnen. Der alten Legende nach lebten hier vor sehr langer Zeit die Drachen und Hexen und deren Blut von ihren blutigen Schlachten floss in den See – in heutigen Schwarzsee.

 

 

Die Herbstnuancen und ihre Farben lassen mich nicht in der Ruhe und ich fotografiere.

 

 

Der nächste wunderbare Halt – der Wasserfall. Andere Besucher kommen an, die Paare, junge, ältere. Sie verweilen ein bisschen und laufen weiter. Schwarzsee ist sehr beliebte Destination für einen Tagesausflug, der Seerundgang ist interessant für die Kinder, es hat Grillplätze für Familien und auch für ältere Leute ist es hier nicht anspruchsvoll.

 

 

Wir halten wieder an und wollen die Sonnenstrahlen geniessen. Wir setzen uns auf der Terrasse voller Blumenpracht im Restaurant Bad. Viele Gäste im Rentneralter hat sich ebenfalls für den Ausflug in Berg voller Märchen entschieden.

 

 

Die Mittagszeit ist da und mein zynisches Ich kommandiert uns schon zum Essen. Ich habe den Mittag mit der Lift der Kaisereggbahnen in Berghaus Riggisalp mit wunderschöner Aussicht organisiert. Im Winter geniesse ich oft die Bahnen als Skifahrer. Im Sommer springe ich in den Bergen herum und fahre nur selten. Heute sind wir aber die „ Champagner Touristen „ wir lassen uns hinauf bringen. Ich kenne die Einheimischen, heute hat Marcel den Dienst. Er ist einer von der Rettungsdienst der Kaisereggbahnen und auch der kantonaler Sektion der Schweizer Alpinclubs. Der Rettungsdienst in den Bergen ist sehr anspruchsvoll, im Winter gibt es viel zu tun. Wir fahren hinauf, mit Lächeln bestellen wir frisches Salat mit Pouletfleisch und der Aussicht zu Kaiseregg. Das alles zusammen unterstreicht umso mehr den wunderbaren Tag.

 

 

Danach fahren wir runter. Das Geschehen rundum Schwarzsee ändert sich und freut sich grosser Besucherzahl. So endet unser erster Tag in der Schönheit im Berg voller Märchen und morgen fahren wir weiter!

 

 

Den nächsten Tag starten wir gemütlich ein Stück weiter – in den Naturpark Gantrisch. Jetzt werden wir Kanton Bern besuchen und bisschen wandern. Unterwegs haben wir Glück – die Waldgämsen grasen bei der Strasse. Es macht Freude, sie so nah sehen zu dürfen. Sie sehen sehr gut aus, mächtig und gesund.

 

 

Schon bald danach parkieren wir und legen los in Naturschutzgebiet. Der See Gantrischseeli spiegelt die Gipfeln von Gantrisch und Bürglen. Die ersten Wanderer kommen an, wir geniessen die Ruhe. Ich wasche den Apfel ab und mein zynisches Ich fragt mich: Ist das gute Idee? Werden wir uns nicht in die Hosen machen? Nein…Die heutige moderne Welt hat mir beigebracht, sich nicht so schnell in die Hosen machen.

 

 

Es gibt keinen Grund, sich zu beeilen und wir beobachten die Umgebung. Ein einfacher Spaziergang lockt wieder viele Menschen verschiedenes Alters. U vor allem – die Verliebten.

 

 

Wir verlassen den See und wandern zu nächstem Ziel. Etwa einstündige Wanderung durch den Wald mit angenehmen Schatten mit anschliessendem Aufstieg auf Seelibühl. Nichts anspruchsvolles, wir sind nicht die Einzigen, zwei Frauen geniessen ihr Mahlzeit.

 

 

Wohl verdientes Cervelat und Äpfel, etwas zu trinken. Ich beobachte die wunderbare Aussicht zum Thunersee, zur Grenze mit Frankreich und die majestätischen Gipfel der naheliegenden Bergen. Die Bewölkung nimmt zu, die Bewölkung nimmt ab.

 

 

Und leises Gebet meines kleines, zynisches Ich: Lieber Berg voller Märchen, gönne uns Morgen ein aussergewöhnliches Märchen!

 

 

Wir steigen runter und schauen die so typische Merkmale für die schweizerische Berglandschaft. Die Glocken, die Alphütte, die Tiere, die Berge. Schon beim Parkplatz angekommen wartet auf uns eine Belohnung – Teekranz auf der Terrasse der Stierenhütte bei Familie Neuhaus.

 

 

Eigentlich weiss ich nicht, was ich schreiben soll. Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Die Gästen geniessen still die wunderbare Aussicht. Die Familie bietet grosse Auswahl hausgemachter Produkte, ich bewundere leise die Arbeit, den hier auf fast 1600 m.ü.m. ist alles anspruchsvoller. Wie ich erfahre, geht schon die Sömmerung zu Ende und am Wochenende werden sie mit Fremdtieren ins Tal gehen. Hier endet unsere Wanderung im Naturpark Gantrisch, wir werden noch einkaufen und uns erholen. Denn morgen wartet auf uns die schönste Etappe von allen – die königliche…

 

 

Der Wecker läutet und mein zynisches Ich zerrt mich aus dem Bett. Ich muss gar nicht aus dem Fenster schauen, weil der Mond, der in zwei Tagen zum Vollmond wird, bescheint die Welt. Wir picken was Kleines und legen los. Und Ein‘s ist klar so wie die Nacht – es wird ein unvergesslicher Tag im Berg voller Märchen.

 

 

Wir steigen zur Salzmatte hinauf, der Mond ist unser Begleiter. Auf dem Wanderpfad erholt sich eine Kuhherde, wir gehen leise vorbei, wer wird schon gerne im Schlaf gestört…

 

 

Für Fredy ist dies der erste Aufstieg auf 2000 m.ü.m. Es ist sehr wichtig, langsam vorwärts zu gehen, dafür aber regelmässig. Während er sich ein bisschen hinauf quält, mein zynisches Ich macht wieder Dummheiten: Es grüsst die Blumen und plagt mich: Mach ein Foto von uns in der Dunkelheit! Mache ich und mein zynisches Ich lacht: Wir sehen aus wie die Leuchtkäfer! Ja klar, was sonst?

 

 

Wir beissen uns durch die Treppen hinauf und erreichen den Kaisereggpass. Eine kurze Verschnaufpause und noch den letzten Aufstieg folgt. Und irgendwo in der weite Ferne wacht die Welt ganz langsam auf.

 

 

Nach mehr als 2,5 Stunden erreichen wir Kaiseregg, 2185 m.ü.m. und die Lampe beleuchtet das Kreuz. Die Welt wird bald aufwachen, wir sind die Einzigen hier. Wir tauschen schnell die verschwitzten Kleider, eine feine Bise hätte gefährlich werden können. Wir schauen uns um und der Alltag des Universums nimmt seinen Lauf. Der Himmel zaubert für uns eine atemberaubende Show.

 

 

Ich stehe leise da und mein kleines, zynisches Ich flüstert: Wenn das Märchen zur Realität wird. Ich neige mich vor deiner Schönheit, Kaiseregg.

 

 

Zwanzig Minuten nach Sieben und die ersten Sonnenstrahlen streicheln meine Wangen. Die angenehme Wärme breitet sich aus, die Welt steht auf. Wir begrüssen freundlich den Morgen und geniessen das Märchen.

 

 

Der obligatorische Fotoshooting folgt. Zwei Ausländer und mein zynisches Ich sind in ihrem Element. Wir lachen, plaudern, fotografieren. Ich erledige den Eintrag ins Gipfelbuch, es ist nicht nur mir eine Ehre, hier oben zu stehen, das Buch ist seit Kurzem da und schon halbvoll. Das königliche Morgenessen folgt. Mein zynisches Ich ist böse, denn wir haben die Cervelas vergessen. Na das ist wirklich eine Tragödie! Nach dem Essen kommt ein schwacher Moment: Ich und Fredy setzen uns hin, die Sonne scheint und auf einmal schlafen wir ein. Nach guten 20 Minuten weckt mich mein zynisches Ich lachend: Ihr Ausländer hält nichts aus!

 

 

Nach über drei Stunden oben steigen wir wieder runter. Der Himmel ist tadellos blau. Unter an der Passhöhe treffen wir den ersten Wanderer. Aus meiner Erfahrungen habe ich zum Spass gelernt, die Wanderer zu zählen. Die Beliebtheit vom Hausberg Kaiseregg ist sehr gross und ich bin sehr neugierig, wie viele Menschen wir treffen.

 

 

Was uns in der Dunkelheit verborgen blieb, kommt jetzt zum Vorschein. Die Landschaft ist eindrucksvoll, dieses Bild trage ich schon über zwanzig Jahre in meinem Herzen. Runter geht man natürlich schneller als hinauf und schon bald landen wir bei Salzmatte. Die Kuhherde steht faul auf dem Pfad. Es handelt sich um Rinder der Milchkühe, die gewöhnt sind, den Kontakt mit den Menschen zu haben. Sie sind ruhig und die Wanderer streicheln sie freundlich. Bis hierher haben wir 21 Wanderer gezählt, mit manchen lustig geplaudert und uns ausgetauscht. Es waren Männer, Frauen, Sologänger. Der Kaiseregg ist im Sommer harmlos, im Winter wegen Lawinengefahr fast unbegehbar. Unter bei der Salzmatte hören wir mit Zählen auf, denn weitere Berglustige kommen an. Auf uns wartet ein Aperitif.

 

 

Wir sind durstig und gönnen uns eine Pause. Wir sind richtig auf unserer Tour stolz, nicht unbedingt alle sind auf unserer Leistung interessiert, geschweige denn am Sport überhaupt.

 

 

Der Herbst schleicht sich langsam ein. Wir verlassen die Salzmatte und unserer königlicher Tag wird königlich belohnt. Nicht weit entfernt besuchen wir die Alphütte Alpgantrischli und werden den Tag bei Käsefondue ausklingen.

 

 

Die familiäre Atmosphäre heisst uns willkommen. Das Jahr bewirtet eine neue Bauernfamilie die Hütte. Wir bestellen Fondue und sind zufrieden.

 

 

Ich gönne mir noch ein Dessert – es gibt mehrere Gründe zum Feiern. Mit jedem Löffel Glace geht mir durch den Kopf, was wir in den vergangenen drei Tagen erlebt haben. Ich schreibe seit zwei Jahren meinen Blog. Was alles meine Kamera gesehen hat!

 

 

Die Bäuerin Marlies, die uns das herrliche Fondue serviert hat, verkaufte mir im Winter den Skibillet, erinnert euch auf meine Reportage über Frau Holle: http://bit.ly/2RUpayY

 

 

Ihr Mann Ruedi, der sich jetzt fein aus dem Staub macht, um den naheliegenden Gipfel Mähre zu besteigen, arbeitet im Winter bei der Post. Den Briefträgern habe ich in der Nacht die Post mit dem Lkw gebracht, erinnert euch auf die Assistenten des Weihnachtsmannes: http://bit.ly/2ECKMMJ

 

 

Anfangs Sommer haben wir das Jungvieh hinauf zur Riggisalp getrieben und die Familie Pellet besucht: http://bit.ly/2WRTXEd

 

 

Auf dem Weg zur Passhöhe haben wir die Rinder durch die Kluft gejagt und diese Reportage ist im 2018 meine meistgelesene geworden: http://bit.ly/2ljC2ob

 

 

Am Gurnigel beginnt die Wanderung zum Stockhorn. Eine 30 Kilometer lange Wanderung mit vielen Ereignissen: http://bit.ly/2Z6yxmJ

 

 

Die Salzmatte und die Hohmattli haben wir ebenfalls besucht und den Sonnenuntergang genossen: http://bit.ly/2HVkVTf

 

 

Meine erste Reportage galt den Bauern und dem Alpabzug im Plaffeien: http://bit.ly/2l6S8l6

 

 

Und eine Sache ändert sich endlich langsam. Die Parkplätze sind kostenpflichtig zu korrekten Preisen. Ich finde es in Ordnung, denn dafür gibt es ein wichtiger Service – die neuen Eko – Toiletten stehen hier. Erinnert euch an meine Reisen mit Klärschlamm? Wollt ihr eine verkackte Welt: http://bit.ly/2l7OhUT . Während drei Tagen unterwegs haben wir etwa vier Kleinigkeiten gefunden, gesammelt und die werde ich bei unserem Gemeinde – Recyclist abgeben. Ich denke, das ist ein absolut tadelloser Beispiel, wie die Menschheit im Einklang mit der Natur leben kann. Das es geht und machbar ist, die Natur zu schützen.

Das alles und viel mehr habe ich erlebt und euch so beschrieben, wie ich es wahrgenommen habe. Noch viele Märchen und Geschichten warten auf uns. Ich freue mich schon jetzt. Fredy wird zurück nach Frankreich fahren und seine Ferien fortsetzen. Ich setze mich und werde die Reportage schreiben.

 

Am Abend im Bettchen wird sich mein zynisches Ich an mich schmiegen und verliebt fragen: Meinst du, die Zwei sitzen noch am Gantrischseeli? Wenn sie nicht gestorben sind, sitzen sie noch heute dort! Genau so wie im Märchen!

 

Und ihr?

Kennt ihr unsere Region? Vielleicht habt ihr sie schon besucht.

Noch nicht besucht? Jetzt habt ihr die Motivation bekommen.

Meine Zeilen sind gewidmet ebenfalls den Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht reisen können. Lehnt euch gemütlich zurück und geniesst ihr die Reise genau so wie ich!

Ein weiteres Kapitel im Berg voller Märchen geht zu Ende. Und auf uns warten noch viele neue Abenteuer und wer weiss, vielleicht treffe ich euch auf meinem Wanderpfad und werde mich mit euch austauschen und plaudern. Ich freue mich schon jetzt.

 

…DENN IHR MACHT DIE WELT BESONDERS, INDEM IHR EINFACH DA SEID…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wanderung Gurnigel – Stockhorn – Gurnigel

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2 Antworten zu “Wandern Schwarzsee – Naturpark Gantrisch – Kaiseregg

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