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Ein wundervoller Tag, der letzte Sonntag für Schulkinder, die Ferien sind vorbei. Mein zynisches Ich ist begeistert, der Blick aus dem Fester meldet wolkenfrei, heute wird es ein prima Tag werden und ich muss mich um nix kümmern. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

 

Auch meine Vermieter waren für paar Wochen fort. Das heisst für mich, gewisse Aufgaben zu übernehmen. Den Postkasten leeren und Blumen giessen, vorbildlich jeden Tag. Mein zynisches ich nimmt solche Sachen sehr ernst. Und wie ihr schon aus meinen Reportagen wisst, gibt es sicher eine prima Belohnung. Die hatte ich schon lange im Hinterkopf und jetzt war genau die Zeit, sie wahr werden zu lassen. Nach der Absprache mit Heidi & Peter legen wir los. Der Befehl heisst klar: Nimm nur was zum Trinken! Wir werden nicht allein sein, die Enkelkinder Elena und Louis kommen ebenso mit. Mein zynisches Ich murmelt schon: Erkläre es genau – na dann, die Enkeln wohnen etwa zwei Minuten entfernt und noch mal zwei Minuten weiter wohnt die zweite Grossmutter. Mir anderen Worten ausgedrückt: Die Kindern machen Ferien bei Grossi während des ganzen Jahres. Wie praktisch! Und noch jemand ist mit dabei – Mister Aiki…

 

 

Mein zynisches Ich & Aiki haben das Heu auf der gleichen Bühne. Nur nicht im gleichen Stock. Schon beim Einsteigen geht es los: Da ist kein Platz, Kollega. Mein zynisches Ich antwortet: Was nicht passt, wird passend gemacht! 1:0 für mein zynisches Ich. Wir fahren los nach Stadt Fribourg und mit zweitem Auto dann nach Tafers. Ich geniesse die Aussicht als Beifahrer, denn hier bin ich unzählige Mal mit LKW oder Auto gefahren – konzentriert auf meine Arbeit. Wir erreichen Tafers. Auf meinen Wunsch hin gehen wir die sehr beliebte und in Kanton Fribourg bekannte Wanderung – den Galterental. 

 

 

Es geht zügig vorwärts, denn noch grosses Programm liegt uns vor. Peter gibt den Schritt an, die Enkel machen mit. Das Wetter und die Schönheit der Natur sind anziehend. Aiki kontrolliert, ob wir alle dabei sind, seine kurze Beine rennen hin und her.  Wir erreichen den Ort Ameismüli, ein Plätzchen mit 2-3 Häuschen.

 

 

Von da an wartet auf uns Natur pur. Man kann sich nicht verlaufen, es gibt nur einen Weg – hinauf und hinunter, immer vorwärts. Der Pfad ist sehr schön gepflegt. Der Hebst schleicht sich ganz langsam ein.

 

 

Einige Stellen sind richtig bewundernswert. Wir halten an, unterhalten uns, bestaunen die Schönheit.

 

 

Die Wanderung ist nicht anspruchsvoll. Wir steigen hinauf und werden von märchenhaften Aussicht belohnt. Die wilde Romantik hat was in sich, ist ein echter Hingucker.

 

 

Wir lauschen dem Wasser zu. Die etwa 17 Km lange Galtera, genannt auch Galternbach – auf französisch Gotteron, bahnt sich ihren Weg über unzählige Steine und Holz.

 

 

Heidi kostet die Früchte der Natur aus und jetzt geht es wieder abwärts. Aiki wartet ungeduldig, er hat grosse Freude am Wandern. Er wird jeden Tag von Heidi in unserer Gegend herumgeführt und das zahlt sich jetzt richtig aus.

 

 

Wir beobachten wieder das Wasser. Wonach suchen wir? Ganz klar – leben hier Fische? Wir haben keine gesehen, vielleicht spielen sie ja Versteckspiel mit uns. Das Wasser ist aber glasklar, da darf die Natur ihr Leben leben.

 

 

Wir nähern uns einer Raststelle. Zwei Pärchen geniessen das Gläschen und gemütliche Pause. Bei diesen Bedingungen ist es ja nachvollziehbar. Wir setzen uns auch hin. Und Aiki sein Gesichtsausdruck sagt ganz klar: Jetzt hole ich meine Punkte, Kollega! Na da bin ich gespannt!

 

 

Die Chips, ein Gläschen Weisswein. Heute muss ich nicht fahren, ich geniesse den Aperitif. Wir plaudern. Die sportliche Helvetia feiert einen besonderen Tag – das Eidgenössische Schwing und Älperfest, die nur jeden dritten Jahr stattfindet. Schwingen – der Nationalsport der Schweizern. Die Eltern von Elena und Louis sind ebenfalls hin gefahren. Wir werden die wichtigste Kämpfe am späteren Nachmittag im Fernsehen verfolgen. Aiki erholt seine kurze Beine, wir plaudern über dies und das.

 

 

Und Aiki? Mit ausgestreckter Zunge holt er ganz klar seinen Punkt: Hast du Chips in der Hand? Ja, schon. Na siehst de, ich muss mich um nix kümmern und werde königlich gefüttert. Na dann, Mann – 1:1.

 

 

Gestärkt nach der Pause gehen wir. Das ist der letzte Abschnitt unserer Wanderung und wir erreichen die Unterstadt Fribourg – das Tal Gotteron. Der alten Legende nach lebte hier die Drache. Mein zynisches Ich murmelt leise: Die Drachen sind in der Schweiz noch nicht ausgestorben, sie haben lediglich die weibliche Gestalt angenommen. Die Drache ist heute das Symbol der gleichnamigen Hockeyclub Fribourg Gotteron, der die oberste Liga spielt.

 

 

Das Tal ist auch bekannt für seine Forellenzucht. Wir beobachten die Fische verschiedener Grössen. Ein Eichhörnchen zeigt uns eindrückliche Kletterleistungen und verschwindet. Die Ponymammis mit Babys erholen sich im Schatten, die Familien mit Kleinkindern kommen an. Viele wollen sich in der Natur entspannen.

 

 

Wir erreichen die malerische Altstadt und unseres Auto, fahren zurück. Es geht alles zügig voran und auf uns wartet der zweite Teil vom Sonntag. Da wird zeitlich gut drin sind, gibt es eine kurze Verschnaufpause. Die Beinen sind bisschen müde und Aiki meint: Hey Kollega, leg dich hin, es wird um uns gesorgt, entspann dich! Mein zynisches Ich staunt nicht schlecht, wie der Kleinste im ganzen Haus das Haushalt perfekt im Griff hat.

 

 

Die Mami von Heidi wird mit uns essen. Sie feierte dieses Jahr ihr 90. Geburtstag, führt eigenen Haushalt und ist putzmunter, lacht gerne und ist bei Familienfeierlichkeiten immer dabei. Wir kosten ausgezeichnetes Essen aus. Darin ist meine Vermieterin wirklich Klasse. Wir sitzen 4 Generationen am Tisch, ein freundliches Beisammensein.

 

 

Wir werden zusammen den prima Tag ausklingen lassen. Am späteren Nachmittag kniet der neue König in Sägemehl, gewinnt seinen Stier und Kranz und wird für kommende drei Jahre herrschen. Aiki sein Gesicht wird klare Regeln aufstellen – hier bin ich der König, da ist kein Platz. 2:1. Ist in Ordnung, du Kleiner Chef, der Tag ist noch nicht vorbei!

Solche Tage wie heute haben für mich grosse Bedeutung. Fragt ihr warum? Das Wandern an sich mache ich oft auch alleine. Diese Wanderung war eine von vielen auf meiner Liste und so kann ich wieder ein Ziel abhacken. Aber meine Vermieter, das ist eine ganz andere Geschichte…

 

 

Ich wohne bei ihnen seit Jahr 2006. Damals war die Tschechische Republik noch nicht in EU und ich habe in der Schweiz illegal gelebt. Trotzdem haben mich bei sich aufgenommen, weil sie mich sympathisch fanden. Ich zahle seitdem immer gleiche Miete, sie haben mir viel im meinen Leben geholfen. Sie haben sich toll um meine Kater Palinek gekümmert, als ich fort war. Ich muss nirgendwo wegen meinem Auto springen, ich melde es einfach und das Auto wird repariert. Das Jahr hat mein Peugeot richtig protestiert und da ich noch mein Studium finanzieren muss, hat es nicht mehr gereicht, rechtzeitig meine Rechnungen zu bezahlen. Auch da hat mein Vermieter die Augen zugedrückt und ich durfte es später ausgleichen. Solche Kleinigkeiten sind sehr wichtig, denn in heutiger Welt rücken diese Taten in Hintergrund. Für mich jedoch nicht. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich auf meinen Reisen bin, wieder nach Hause zu ihnen zurückkehren, ein Teil ihres Leben zu sein. Und ein weiterer wunderbare Tag neigt sich zu Ende.

 

 

In der Nacht im Bettchen, nach 22:15 lauscht mein zynisches Ich. Aiki geht um diese Zeit die Füchse begrüssen und mit seinem Haf Haf Konzert zerrt er mich gerne aus dem Schlaf. Aber heute herrscht die Stille. Jaja, Kollega, kurze Beine haben heute herumgesprungen und jetzt schlafen sie wohl…na dann, 2:2!!!! Bis zum nächsten Mal wieder!!!

 

Und wie geht es euch?

Schon bisschen Bewegung hinten sich? Heute habt ihr gesehen, das es geht, wir waren 3 Generationen unterwegs, da gibt es keine Ausreden mehr…

Einen schönen erholsamen Tag verbracht? Es ist wichtig, richtig abzuschalten, ihr tankt die Kräfte für euren Alltag…

Habe ich prima Schweizer Familie? Ich denke, ich kann richtig stolz sein…Die Welt braucht solche Menschen…

 

 

…DENN IHR MACHT DIE WELT BESONDERS, IN DEM IHR DA SEID…

 

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Verkackte Welt

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