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Die Zeit der Ferien ist da, verreisen habe ich für dieses Jahr nicht geplant, geplant habe ich aber mal die Schweiz zu erforschen. Ich bekam genug Inspiration und so lege ich früh vor dem Morgen los, der Champagner-Tourismus wartet auf mich. Was ist Champagner-Tourismus? Einfach nichts viel machen und doch unterwegs zu sein. Ich fahre Richtung Tunnel Gotthard – den kennt ihr aus meiner Reportage http://bit.ly/35RTTEc. Für einmal lasse ich die grosse Strasse beiseite und werde die Bergpässe fahren. Sie gelten als interessante, touristische Attraktion der Schweiz. Im Sommer herrscht Hochsaison, im Winter der Schlaf. Über Andermatt im Kanton Uri lande ich beim Sonnenaufgang direkt auf dem Gotthardpass. Die Ruhe macht sich breit – noch. Denn die Wettervorhersage ist optimistisch, es ist Freitag und viele Leute werden kommen.

 

 

Die Szenerie auf 2091 m.ü.m heisst mich willkommen. Zwei Welten stossen aufeinander. Die Kämper, die Sportbegeisterte und zu meinen grossen Erstaunen und Frust die alternative Energie. Ich steige zur Suworow-Denkmal auf, ich geniesse die Morgenstimmung, es erstaunt mich immer wieder, wie wunderbar die Natur auf über 2000 Meter sein kann.

 

 

Auf einmal höre ich der mir so bekannte Lärm. Ein Lastwagen kommt und bringt den Propeller. Es geht wie auch immer bei speziellen Transporten sehr professionell vorwärts, vor der Nase fliegt mir die Ecke, der LKW dreht sich und fährt zu seinem Ort, wo er abgeladen wird. Viel technische Arbeit und auch die Welt der Bergen wurde durch ausserirdische Technologie erreicht.

 

 

Ich erforsche den kleinen Ort hier oben. Seine Geschichte geht weit in 12. Jahrhundert, damals hat man den Pass mit Tieren zu Fuss überquert. Das Museum ist zur Zeit in Rekonstruktion, die ersten Wanderer machen sich auf den Weg, die Alpenwelt lädt ein. Der Mond wird mich den ganzen Tag begleiten, was mehr kann ich mir wünschen. Mein zynisches Ich flüstert – na ja, Tee und Gipfeli wäre auch nicht schlecht. Das ist gute Idee, ich besuche das Restaurant, plaudere mit der Bedienung. Es läuft gut und über Tag wird es voll sein. Zu sehr korrekten Preis geniesse ich mein Morgenessen mit schöner Aussicht.

 

 

Noch letzter Blick über die Landschaft und es möge uns die bettende Madonna di Fatima behüten und schon fahre ich runter Richtung Tessin.

 

 

Noch eine andere Strasse führt zum Pass hinauf – die alte Strasse Tremola. Die Steigung ist enorm und ist beliebt bei Velofahrern. Nur vereinzelt hier und da fahren Autos hinauf, die junge Sportler rasen den Berg runter. Die Katzenpflaster sind sehr gut erhalten, denn auf dem Pass sind vier Meter Schnee im Winter keine Seltenheit.

 

 

Nochmal oben auf dem Gotthard angekommen, schaue ich mich um und fahre wieder runter und über die Autobahn erreiche ich den Wohnort Biasca im Kanton Tessin. Eine ganz andere Welt erscheint, die so typische Häuser im italienischen Styl und die Natur mit südlichen Charakter.

 

 

Der nächste Pass ist erreicht – der Lukmanier – ein breites Tal mit Gipfeln auf 1915 m.ü.m. Die Kühe grasen gemütlich auf den Hängen, langsam kommen die Gäste an. Da die beiden Pässe sehr einfach mit öffentlichen Verkehr erreichbar sind, kommen Familien mit Kindern und ältere Menschen. Die Terrasse des Restaurants ist bald besetzt, ich gönne mir ein Kaffee, sogar der Zucker ist in meinem Sternzeichen Wassermann geboren.

 

 

Der Staudamm Santa Maria lässt mich nicht in Ruhe. Das Wasser ist so glasklar und farbig.

 

 

Ich kann einfach nicht widerstehen und lasse meine Kamera ihre Arbeit machen. Die Unterwasserwelt und die Gipfel verschmelzen in ein Bild. Wie sauber die stille und doch so faszinierende Welt unter der Wasserfläche ist! In der Sonne lässt sich gut lachen, noch das obligate Foto „Ich war auch hier“ und in gemütlichen Gang fahre ich weiter.

 

 

Ich bewundere noch mal das Gesamtwerk, der Stausee ist nicht voll.

 

 

Von da an fahre ich durch den Kanton Graubünden und hier und da knipse ich Bilder, die uns aus den Katalogen bekannt sind.

 

 

Und schon bald wartet auf mich der nächste Pass und ich werde wieder in Kanton Uri landen. Das Fahren verlangt viel Rücksicht, die Reisecars steigen mit. Schmale Kurven und eine Menge Geschick, es kommt gut. Ich halte in oberer Kurve an und will mich umschauen. Ich lande im geschützten Pflanzengebiet. Wo Schutz ist, bekommt man seltene Arten zu sehen und die Schmetterlingen tanzen zwischen den Blumen.

 

 

Meine kleine Exkursion ist vorbei, ich erreiche den Oberalppass und die Marke 2044 m.ü.m. Es ist nach 13:15, mein zynisches Ich und Ich sowieso haben Hunger. Ich kann direkt auf der Terrasse Platz nehmen, werde von einen netten Fräulein bedient. Ich geniesse den Tag. Es ist viel los, Leute kommen, Leute gehen, die tschechischen Touristen ebenfalls. Aus dem Gespräch mit dem Serviertochter erfahre ich, dass das Geschäft gut läuft, sie fährt jeden Tag wieder runter nach Andermatt. Nur der Koch übernachtet hier oben.

 

 

Der Preis ist sehr angemessen, 36 CHF. Mein zynisches Ich schmeichelt sich ein: Wollen wir nicht noch mit der Gondel hinauf das Desert mit Aussicht geniessen? Ja, das wollen wir.

 

 

Der Preis für die Gondelfahrt wird teuerer sein als das Mittagessen. Satte 38 CHF, dafür bekomme ich 10 Franken Gutschein für die Konsumation im Restaurant oben. Das tönt ja prima und schon lasse ich mich hinaufbringen. Da es sich um Personenverkehr handelt, muss ich zur Zeit in der Schweiz den Mundschutz tragen. Ich muss zugeben, ich sehe intelligent medizinisch aus.

 

 

Die Fahrt auf Schneehüenerstock auf 2600 m.ü.m. hat sich gelohnt. Ich gönne mir Aprikosenkuchen mit Rahm und Latte Macchiatto. Die Aussicht ist atemberaubend, das Gebiet bietet viele Wandermöglichkeiten. Die Temperatur ist angenehm. Die Gäste führen fachliche Gespräche über die Gipfel und deren Namen.

 

 

Die Zeit ist um, ich will wieder runter fahren. Ich stehe vor Entscheidung, es ist Freitag, spät nachmittag, nach Hause ist noch weit. Die Autobahn wird wieder verstopft sein. Ich entscheide mich für den vierten Pass – den Susten.

 

 

Gesagt, getan. Der Tunnel oben wird saniert und so lande ich im Stau. Macht nichts, ich geniesse die Aussicht und fotografiere.

 

 

Die Wartezeit zieht sich hin, es geht länger, aber auch wir dürfen wieder fahren und im Tunnel wird es knapp, die Bauarbeiter sind noch da. Und am Ende des Tunnels gibt es ja Licht.

 

 

Die Welt auf 2224 m.ü.m. und Sustenpass zeigen sich in voller Pracht. Das obligatorische Foto und weil ich immer noch so verzaubert bin, kaufe ich Bergamotte-Limonade und lasse mich von Sonnenstrahlen streicheln. Ein Reisecar mit Touristen ist da und etwa acht Ferrari und Porsche aus England. Was sehr wichtig bei solchen Touren ist – sehen und vor allem gesehen werden. Man nennt das Luxus und diese Gruppe war heute in den Bergen nicht die Einzige.

 

Ich fahre nach Hause. Aber mein zynisches Ich meint noch – werden wir auch auf Schiki-Miki machen und Luxus? Ja klar. Ich besitze seit Kurzem ein Cabrio. Es war nicht im Plan, es hat sich so ergeben. Das Dach im Kofferraum, geile Brille, blaue Jacke und die wunderbare Kulisse im Hintergrund machen den Luxus perfekt.

 

 

Ob alles auf der Tour perfekt war? Es gab etwa drei Stücke Abfall, ich habe sie gesammelt und entsorgt. Ich glaube, es ist machbar, die Natur zu besuchen und trotzdem ihre Schönheit zu bewahren. Und noch eine Sache hat mir sehr gefallen: Die Toiletten sind an der Strasse entlang aufgestellt. Kennt ihr meine Reportage “ Beschissene Welt“? http://bit.ly/2l7OhUT. Dann ändert sich langsam etwas. Na dann, wieder was erlebt und gesehen! Ich komme gut nach Hause an, mein zynisches Ich ist zufrieden, das war wieder mal ein richtiger Ausflug! Also, bis zum nächsten Mal!

 

 

 

 

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Paris, Eiffelturm und Mona Lisa 2014

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