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Der April ist da, der Sonntag, früh morgen. Draussen ist dunkel und grau, mein zynisches Ich noch faul im Bett. Auf Fenster peitscht der Regen, überhaupt das ersten Mal in diesem Jahr. Ich schaue raus – der Berg will seine Ruhe, das Leben bei uns wacht auf. Es ist richtig frisch – meine Nase wird kalt – ob es in den Bergen geschneit hat? Wie sich später herausstellt – tatsächlich. Der April bringt immer gewisse Überraschungen.

 

Ich fahre am Feld vorbei – der lang ersehnter Regen bewässert den Knoblauch. Ich bin unterwegs nach Bern zur traditionellen Frühjahr – Ausstellung BEA Expo. Die Zentralstadt der Schweiz wird ihre Landwirtschaft öffentlich feiern. Was heisst das genau? Die gesamte landwirtschaftliche Szene wird sich in voller Parade präsentieren. Die Ausstellung fängt gerade an, aber der Andrang ist schon enorm. Die BEA Expo ist seit 1951 ein sehr beliebter Anlass vor allem für Familien mit Kindern und ich würde sogar behaupten – es ist ein Kult. In meinen Augen ist die Schweizer Landwirtschaft auf gutem Niveau. Selbstverständlich gibt es auch Lücken und Nischen, wo Verbesserung nötig ist, die Gesetzgebung macht nicht alles einfach.

 

 

Heute aber lasse ich mich von der Atmosphäre einfangen und geniesse meinen Tag. Das April – Wetter macht mit – ein Mix aus Sonne – Regen – Schnee. Genau so wahrhaftig wie es die Landwirtschaft seit eh und je ständig prägt. Ich lande direkt in Streichelzoo mit Schafen und Ziegen. Ich bewundere immer wieder die Geduld der Tiermamis mit ihren Sprösslingen. Die Menschheit liebt die Tiere zum Fressen gerne. Wie ist es aber umgekehrt? Ich möchte euch nicht die gute Laune verderben, aber mein zynisches Ich lässt euch ausrichten – wir gehen den Tieren am Arsch vorbei.

 

 

Die nächste Exposition bietet etwas für die Pferdefans. Es ist eine Domaine der Frauen – die Frauenwelt sehnt sich immer danach, irgendetwas zu dressieren. Aus meinen Erfahrungen bei Pferden weiss ich, dass es ein sehr teueres Hobby ist.

 

 

Für mich kommen die schönsten Ausstellungsräume: Die Milchkühe Promenade. Vergisst den Autosalon Genf. Vergisst den Glanz und üppige Brüste der Models. Genau da wird alles auf Hochglanz poliert in einer wunderbarer Stallung mit hochwertigen Tieren. Und genau da werden sie sehen, was es Üppig heisst. Die oben hängenden Schilder verraten Namen der Kühen, das Geburtsjahr, ihre Leistung, die Namen der Züchter. Ob hier gerade die Schweizer Schokolade produziert wird? Eine immer wieder anziehende Attraktion, die viele Zuschauer und Neugierige anlockt und Gott sei Dank hat der Schöpfer die Kabel zum Anlehnen ausgedacht.

 

 

Auch der Nachwuchs ist da, die Kleinen und noch Kleineren und die, denen es egal ist.

 

 

Was kommt euch alles in den Sinn bei dem Wort Landwirtschaft? Lust auf Käse, Honig, Gemüse, Früchte?

 

 

Oder was Gebackenes? Berliner, Craps, hausgemachte Ware zum Probieren? Die Neugier wechselt in Fachgespräche, Anekdoten, Geschichten aus dem Alltag, das Lachen und Wiedersehen. Ich schaue gerne zu, wie schmackhafte Produkte entstehen.

 

 

Was alles und die Erde geben kann – die Pilzen, die Kartoffeln, das Getreide…Ob die Leute überhaupt wissen, wie lange es geht, bis es bei uns auf dem Tisch landet? Erinnert euch an meine Reportage Kartoffeln? http://bit.ly/2Zj0LaO. Dankbar gehe ich an der Naturschönheit weiter. Wie kann ich alles ganz einfach im Geschäft kaufen!

 

 

Es ist Zeit zum Mittag. Die Besucherzahl nimmt noch mehr zu.

 

 

Und ganz leise hängt mitten drin von dem ganzen Rummel eine Glocke. Sie lädt zum diesjährigen Schwingerfest nach Zug.

 

 

Es ist Zeit, was zu essen. Ich steuere ins Restaurant und geniesse ruhig den Mittag. Das Wetter lässt mich faulenzen, aber es gibt noch viel zu sehen.

 

 

Die Kleintierausstellung ist wunderbar eingerichtet. Die Besucher können viele Vogelarten bewundern, die Züchter können richtig stolz sein. Die gesamte Kulisse ist beeindruckend. Es steckt gewiss viel Leidenschaft dahinter.

 

 

Die Exotischen sind selbstverständlich genauso vertreten. Wie eindrucksvoll die Natur die Farben zusammen setzen kann.

 

 

Ich kann nicht widerstehen und laufe noch mal durch die Milchpromenade. Die Abendausführung naht und es werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Unter strengen und neugierigen Blicken der Zuschauer wird noch mal auf Hochglanz poliert. Ich muss leise schmunzeln und mein zynisches Ich auch. Denn ich höre schon die Ehefrauen der Bauern: Wenn er sich um mich auch so kümmern würde!!!

 

 

Die BEA Expo 2019 geht unaufhaltsam weiter. Grosse Abendveranstaltungen, Spiele, Vorstellungen. Es wird gefeiert, gespielt, man kann verschiedene Produkte bewundern und kaufen.

 

 

Der Tag neigt sich zu Ende. Es gab schon am ersten Tag sehr viele Zuschauer, der Andrang war gross. Das sah man an der Tieren und Menschen ebenfalls, die Müdigkeit hat uns eingeholt. Ein halbes Jahr später wird der neuer Sägemehl – König gewählt. Es bleiben wunderbare Erinnerungen, denn die BEA Expo 2020 musste abgesagt werden. In 2021 wird sie sicher wieder kommen.

Ich denke, wenn ich in momentaner Situation schreibe: Der heutiger Tag ist gewidmet den eindrucksvollen Ausstellungen, die präsentieren genau das, wofür wir richtig dankbar sein sollten, werden wir alle verstehen, was ich meine.

Und eine andere Frage drängt sich leise: Ist die Schweizer Landwirtschaft wirklich sauber und gut wie man sie in der Ausstellung präsentiert? Darüber wieder in der nächsten Reportage. Bis dann!

 

 

 

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