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Wie in der letzten Reportage BEA Expo 2019 versprochen, schauen wir mit der Kamera hinter den Kulissen der Schweizer Landwirtschaft. Mein zynisches Ich kommandiert mich beim Anziehen: Mach schnell! Du, soll ich Velo nackt fahren oder was? Ja kannst schon! Sportlich angekleidet und mit der Kamera im Rucksack fahre ich eine kleine Rundfahrt zu Bauern, die ich lange kenne. Das Wetter macht mit, es wird ein wunderbarer Tag werden.

 

 

Wie auch immer, wenn ich die Kamera dabei habe, springen mir die Fotos direkt vor dem Objektiv. Paarmal in die Pedale getreten, fahre ich am „Bienenhaus bei Tunnel“ vorbei. Warum bei Tunnel? Schon einige Sekunden später donnert der IC Zug von Genf Richtung Bern – Zürich. Herr Bienchen interessiert es nicht, der hat jetzt anders zu tun. Mein zynisches Ich ist total begeistert: Er ist ja für die gesamte weltweite Situation vorbildlich angekleidet! Tatsächlich – perfekt vermummt kontrolliert er die Häuschen. Und schon sammle ich die spannende Informationen.

 

 

Warum ist er so angekleidet? Wie Herr Bienchen sagt, er muss, denn er schaut nach wie es Bienen geht. In einem Häuschen gibt es nur eine einzige Königin und bis zu 40.000 Bienen. Die fliegen bis zu drei Kilometer weit, um den Nektar zu sammeln. So produzieren sie zwischen 3-10 Kilo Honig jedes Jahr. Was ist für sie schädlich? Ganz klar die Pestizide. Das Wetter spielt natürlich auch eine sehr wichtige Rolle. Ich lächle Herrn Bienchen an und er mich. Noch einen schönen Tag, wünsche ich und pedale weiter.

 

 

Nach paar Kilometern lande ich im leeren Stall im Dorf Lanthen. Falls ihr jetzt den Bauern sucht, findet ihr ihn auf dem Feld. Der Bauer Pascal, der die Milchkühe züchtet, besorgt das Abendmahl für die Kühe. Die Tiere erholen sich draussen, geniessen den Tag. Nach den Vorschriften gebaute Stallung bietet Platz für 42 Tiere, zur Zeit hat Pascal 37 Kühe.

 

 

Er kommt schon an und schnell wird das Gras verteilt. Alles für den Abend vorbereitet, verschwindet er wieder, denn bald ist Mittag und die Ehefrauen warten bekanntlich nicht gerne mit der Mahlzeit. Na dann, guten Appetit!

 

 

Zwei Minuten weiter wohnt Heri. Ich lande in Paradies, das Bauernhaus ist die Ruhe selbst. Das warme Wetter lässt die Natur in allen Farben spielen. Sie blüht und die kleine Welt drinnen hat viel zu tun.

 

 

Wie jedes Jahr bewundere ich den nach perfekten Mass geschnittenen Garten seiner Mutter. Frau Therese ist landschaftliche Gärtnerin und von der Küche ist zum Garten nicht weit. Wie sie sagt, es brauche Regen, es sei zu trocken. Ich lobe den Garten, sie lächelt, ihr Lächeln wird im Dezember 90 Jahre alt.

 

 

Ich schaue nach der Herde. Die Mutterkühe mit ihren Kälbchen faulenzen. Ich will sie fotografieren. Das ist nicht so einfach, weil schon habe ich zackig die Mamas von der Kamera. Du kennst die Regeln? Mein zynisches Ich zaubert das schönste Gesicht: Ja, klar. Ich darf kein Wort gegen die Kühe sagen. Das ist wie gegen der Wand rennen.

 

 

Noch schnell tanken und es ist Zeit wieder auf die Weiden aufzubrechen, wo die Herde ihr Leben bis Mitte November verbringt. Diesjähriger Frühling ist sehr sonnig, aber ohne Regen. Es sieht man auf den trockenen Wegen auf dem Feld.

 

 

Mein Rundgang im Bauernhaus geht weiter. Ich schaue flüchtig in die Halle mit fast vier Tausend Küken, gründlich gehalten. Ich interessiere die Küken nicht, ihre einzige Beachtung gilt dem Korn. Anschliessend laufe ich durch den leeren Stall, es wird aufgeräumt – aus meiner Zeit mit Heri war es meine beliebteste Arbeit. Warum? Weil in der Kacke zu stehen ist die beste Therapie. Weil schlimmer kann es nicht mehr sein.

 

 

Der Herr des Hauses kommt – Heri. Er hat Sachen zu erledigen – schon über lange Jahre helfen sich die Bauer untereinander aus der Umgebung beim Ausmisten der Kükenhallen. Danach folgt das Essen. Das ist jetzt nicht möglich, es werden nur Sandwichen und Getränke in Flaschen serviert.

 

 

Noch ein Blick zurück – die Herde geniesst ihr Mittag und das herrliche Wetter. Es ist Zeit, wieder zurückzukehren und so steige ich in die Pedale und fahre wieder.

 

 

Kann aber noch nicht richtig schnell fahren, weil ich noch in die Käserei schauen will. Sie liegt direkt bei der Strasse, es ist still, wie immer um diese Zeit, aber abends wird das ganz anders aussehen. Die nahe wohnenden Bauer kommen mit der Milch. Daraus wird die Familie Sturny ganz feine Produkte herstellen.

 

 

Der Automat bietet leckere Köstlichkeiten an. Den berühmten AOC Greyerzer Käse oder feine Fondue Mischung. Das Laden ist abends offen, wenn die Bauern die Milchkannen leeren. Die Auswahl ist gross: verschiedene Sorten von Käse, Jogurthen, auf Vorbestellung köstliche Käseplatten.

 

 

Und besser kann ich es nicht mehr beschreiben: Genau so wie das Widerspiegeln zeigt: In diesem Bild grasen die Kühe und von ihrem Milch sehe ich im Automat die frische Produkte.

 

 

In zwei Wochen besuche ich das Bauernhaus in Lanthen wieder. Der wohltuende Regen der letzte Woche gab der Natur das nötige Wasser. Die Stallungen sind aufgeräumt, der Garten voll Blühten. Es ist Sonntag.

 

 

Die Mutterkühe mit Kälbchen faulenzen in der Sonne. Sie liegen so glücklich und glaubwürdig, dass ich auch im Stehen einschlafen will.

 

 

Auf einer anderen Weide grast eine weitere Herde, die Sterken. Die gehören Pascal, der schon seit Jahren Kompagnon von Heri ist. In der Schweiz gibt es viele kleine Betriebe und die Bauer helfen sich gegenseitig beispielsweise durch Ausleihen verschiedener Maschinen, Beteiligungen oder so wie Heri mit Pascal durch Aufzucht. Die einige Monate alte Kalbinnen kommen zu Heri und bleiben bis kurz vor dem Kalbern. Dann gehen sie wieder zurück zu Pascal. Erinnert euch an meine Reportage aus letzten Jahr aus Berg voller Märchen? Als wir zur Alphütte Riggisalp zur Familie Pellet gejagt haben? http://bit.ly/2WRTXEd .Na seht ihr, diese Herde geht im Juni hinauf. Die Milchkühe sind zahm und neugierig, haben ruhigen Charakter.

 

 

Die Sonnenbrille an, kurz nach dem Mittag, Traktor auf Hochtouren, Heri hat keine Zeit. Das Heu wartet. Wenn die Frau Holle fragt, was du im Sommer getan hast – ein sexy Bild im Bikini können die Kühe nicht fressen. Und schon rast Heri das Heu durchzukämmen. Das staubt richtig!

 

 

Ich schaue mich um und geniesse das Malerische der Natur, es herrscht Ruhe und Frieden. Obwohl die Herde romantisch aussieht, der Schein trügt. Limousiennen – die braune Rase, ist sehr Charakter betont, sie leben in Stallungen mit Auslauf, im Sommer über auf den Weiden und sind durch ihre fast aggressive Art bekannt. Das darf man nie unterschätzen, vor allem beim Wandern durch die Herden in den Bergen. Heri weiss es auch, einigen seiner Kühen darf er sich nicht nähern, sie würden ihre Kälber verteidigen. Dagegen die Fleckigen – Simmenthaler, sind viel umgangsfreundlicher. Es ist Zeit, auf Wiedersehen zu sagen. Mein zynische Ich winkt noch – bis bald! Und das verschlafene Kälbchen? Du mir auch, Bruder!

 

 

Ob ich auch beruflich mit dem Bauer zu tun habe? Mein zynisches Ich ist beleidigt – was für Frage! Bei Fernand, der selber grosse Bauer ist und besitzt LKW’s, habe ich Kartoffeln gefahren, Futter und Salz für Tiere. Oder das Grüngut, das dann zu Kompost bearbeitet wird und anschliessend wieder an seinen Felder landet. Was man nicht vergessen darf!!! Die Kälbchen begrüssen und streicheln und als Belohnung zu seiner Frau in den Laden gehen und sich ein Getränk gönnen!

 

 

Mein nächster Chef, der Richard, hatte auch seine LKW’s, ist aber kein Bauer. Dafür aber dröschet er den ganzen Sommer lang. Eine neue, spannende Erfahrung mit der Kamera! Ich schmecke noch jetzt den Duft des Strohs, ich höre das Plaudern beim Bier nach der Arbeit. Und freue mich wieder!

 

 

Bei Marc habe ich auch das Futter für die Bauer gefahren. Vor allem importierte Ware. Dann die frische Essware des grössten Online Händlers im Land.

 

 

Und mein jetziger Chef Christian? Er ist das grösste Unternehmen, wo ich jemals gearbeitet habe und in den acht Jahren hat sich die Welt ebenfalls bisschen geändert. Neben Düngemittel aus Europa und Samen aus Neuseeland fahre ich vor allem die Produkte der Bauern wie Biostreu für Pferde, Wein und nicht nur der Schweizer Bauern – heute kennt jeder schon Faire Trade, vegan Produkte, Bio Ware.

 

 

Und zuletzt machen wir doch noch einen kleinen Spaziergang rundum unseres Dorf.

 

 

Über Tag grasen die Milchkühe zufrieden. Ihre Arbeit ist getan, jetzt geniessen sie die Sonne. Der Wind zaust die Wiese, das Gras tanzt den Walzer. Ich schaue bei Familie Perler vorbei, sie haben komplett auf Bio umgestiegen. Die Wiese, die ihr sieht, ist kein Golfplatz, das ist die Weide für die Leghühner. Da werden die Bio Eier produziert und man kann sie auch mit Kartoffeln im Häuschen kaufen. Schon bald werden die Kirschen blühen und das wird was zum Picken geben.

 

 

Die Bauern haben voll zu tun. Das Heu wartet, die Kartoffeln, der Knoblauch sind schon gesetzt und das Jahr war eindeutig der Raps in der Hauptrolle. Ganze gelbe Felder zeichneten sich im grünen Hintergrund ab.

 

 

Unser kleiner Spaziergang geht zu Ende. Ich schaue schnell noch eine Wiese, die schon seit Jahren als Zufluchtsort für Insekten und Tiere dient, ein Brachfeld voll Farben und Vielfalt. Auch das ist die Landwirtschaft.

 

 

Die Bienen fliegen von Blume zu Blume. Ob das Bienen von Herrn Bienchen sind? Die arbeiten vorbildlich! Na dann, ich will sie nicht stören! Der Tag ist noch jung und ich muss auch an die Arbeit! Guten Flug!

 

 

Die Reportage geht zu Ende, aber der Kreislauf der Landwirtschaft geht weiter. Tischlein, deck dich von alleine gibt es nicht und wenn ich einkaufe, weiss ich, ohne Landwirtschaft und Bauer ist es nicht möglich. Ich bin sehr froh, dass sich die Bauern heute selber auf ihre Art und Weise vermarkten, dass man die regionale Produkte kaufen kann. Die Essgewohnheiten ändern sich, die Auswahl ist bunt. Und aus meinem Leben hier in der Schweiz kann ich sagen, ich vertraue den Bauern und deren Arbeit.

Der heutiger Tag und nicht nur der ist gewidmet der Landwirtschaft und den Bauern. Es steckt nicht nur viel Erfahrung dahinter, aber sehr viel Leidenschaft für diese Arbeit, denn die Natur kennt keine Zeit und doch ist es die Zeit, die aus kleinem Samen eine wunderbare Frucht zaubern kann. Ich gehe jetzt ein leckeres Mahlzeit kochen und werde an die Bauer denken…

 

…DENN IHR MACHT DIE WELT BESONDERS, INDEM IHR EINFACH DA SEID…

 

 

 

 

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Die landwirtschaftliche Ausstellung BEA Expo 2019

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