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Ich verbringe meine Ferien in der Stadt Zlin, die mit dem Zoogarten Lesna verbunden ist und der unter die 10 meist besuchten touristischen Attraktionen in der Tschechischen Republik gehört. Jedes Jahr lockt er über 600.000 Besucher. Das Areal wurde im Jahr 1804-1805 gegründet, der Garten wurde im 1948 geöffnet und heutzutage zählt er über 74 ha und 226 Tierarten fanden hier ihr zu Hause.

 

 

Mein zynisches Ich freut sich schon, wird die Tiere sehen, vielleicht erfahren wir was Neues. Tatsache ist – ich habe ein spezielles Verhältnis zu Zoo’s. Als uns die Lehrerin in der Grundschule sagte, wir machen eine Exkursion anstatt Schulunterricht und wir werden die Afrikanische Elefanten besuchen, hat mein kleines, kindliches, abenteuerliches, zynisches Ich den Rucksack gepackt und hat sich auf den Ausflug in Afrika gefreut. Wie war aber unsere Ernüchterung gewesen als uns der Schulbus eine Stunde weit von der Schule entfernt ausgespuckt hat! Für mein kleines zynisches Ich ist die Welt zusammengestürzt – die Lehrerin hat wieder Mal den Bock geschossen. Heute, nach einigen Jahren erneut machen wir Besuch, denn warum ins Afrika fahren?

 

 

Nach dem Eintritt kann jeder Besucher verschiedene Projekte zum Schutz der Natur auf der ganzen Welt fördern.

 

 

Wir kommen pünktlich zum Frühstück, gerade beginnt die Fütterung der Robben.

 

 

Im tropischen Gewächshaus erkunden wir das Reich der tropischen Urwälder. Die Tierbewohner dürfen sich frei bewegen und ich bin wieder Mal fasziniert unter diesen Bedingungen zu fotografieren. Die Feuchtigkeit und Temperatur sind immer eine Herausforderung für meine Kamera und Objektiv. Die farbigen Vögel, die Affen, die grossen Piranhas und  wunderbare tropische Flora lassen uns neugierig sein – wir suchen in Grünem die Bewohner des Gewächshauses.

 

 

Draussen angekommen direkt an den Volieren vorbei, beobachten wir die Familie Kamel, die gerade ihren Mittagsschlaf geniesst. Die Kamels sind bekannt für ihre Fähigkeit, lange ohne Wasser auszuharren. Er ist das einzige Saugetier, das salziges Wasser trinken kann.

 

 

Auf dem Weg zum nächsten Gehege passiert mir eine sehr peinliche Situation, mein zynisches Ich ist auch erschrocken. Wir erwischen das Paar Kleiner Soldatenara. So richtig In Flagranti. Ich schäme mich, mein zynisches Ich schämt sich, das Paar erschreckt sich auch. Ein sehr peinlicher Moment. Aber kurz danach ergeben sich die beiden wieder ihren Liebeleien. Ich atme erleichtert auf, es handelt sich um keine Staatsaffäre.

 

 

Bei Vögelchen und Paaren bleiben wir und beobachten die faszinierenden Helmhornvögel, der mit der roter Farbe ist ein Männlein. Das Nisten kann bis zu 30 Wochen dauern, auch sie leben sehr monogam. Gleich neben befinden sich die Humboldts Pinguins. Sie gehören zu die wärmeliebenden Pinguins, leben an der Küste von Peru und sind von Aussterben bedroht. Sie leben in Kolonie, bleiben ihrem Partner treu.

 

 

Jetzt ändern wir aber komplett die Welten – wir besuchen die Aquarien und eine der jüngsten Attraktionen des Zoo’s – die Bucht der Rochen. Die darf man unter streng eingehaltenen Bedingungen füttern. Ich muss zugeben – die Rochen haben das perfekt im Griff und wissen wie sie an ihr Futter kommen. Laut Wissenschaftler gab es Rochen schon von 150 Millionen Jahren.

 

 

Eine kleine Pause für Kaffee und noch angenehmes Wetter lässt uns auf der Restaurantterrasse geniessen. Eine Kulisse wie im Märchen mit der Aussicht zum Schloss und Garten.

 

 

Von Bucht der Rochen direkt ins Trockene. Einer Welt, die auch ein Teil diesen Planeten ist. Das Afrika. Grosse, elegante Giraffen, die Strausse und Schweine leben hier zusammen.

 

 

Auf dem Rundgang erstaunt mich ein weiterer Bewohner – der Milchuhu. Für mich sind Eulen ein Zeichen der Weisheit – sie sind aktiv in der Nacht, immer ganz ruhig, leise gehen sie auf die Jagt. Und ihre grosse, klare Augen strahlen immer was Mystisches aus. Dieser Uhu kommt aus Afrika und ist die grösste Eule des Kontinents.

 

 

Ein Blick , viel Rummel, einer passt auf. Die Stars der Tierwelt begrüssen uns, mein zynisches Ich hat grosse Freude, denn die Surikati sind die Lieblingen der Reich der Tieren. Eine freundliche Konversation beginnt: Und was locht ihr genau da? Wir bauen eine Autobahn bis nach Afrika!

 

Und warum habt ihr die roten Lampen? Du weiss es nicht, wofür sie sind? Mein zynisches Ich hat keine Ahnung. Und ich weiss es auch nicht.

 

 

Wenn wir graben, dann schwitzen wir. Und wenn die Pause kommt, dann sonnen wir uns unter diesen Lampen. Wir trocknen uns das Bäuchlein. Wir strecken das Bäuchlein in die Wärme. Verstehst du das jetzt?

 

 

Mein zynisches Ich staunt, ich staune genau gleich. Noch einmal: Wenn ihr Pause macht, dann geht ihr das Bäuchlein trocknen? Und wie geht es weiter? Da drehst du dich auf Bauch und trocknest ja den Rücken!!! Verstehst du jetzt? Mal ehrlich, das ist doch genial! Und die ganze Familie ist zusammen!!! Macht ihr das nicht in der Schweiz? Meinst du, das Bäuchlein rausstrecken und trocken lassen? Wir müssen das vorschlagen, aber in der Schweiz muss es erst das Parlament abstimmen!!! Die Surikatifamilie geht wieder gemeinsam lochen, jetzt wird gearbeitet und nicht politisiert!

 

 

Eine Weide weiter – die Hyänen gehören nicht gerade zu den schönsten Tieren, aber ich muss zugeben, wenn ich sie so nah beobachten darf, sehen sie zwar richtig gross aus, sehen aber sehr sauber und gepflegt aus.

 

 

Der nächste Highlight steht bevor – die Affen. Mein zynisches Ich ist grosser Anhänger der Theorie der Evolution von Charles Darwin – die bis heute als sehr umstritten gilt. Mein zynisches Ich winkt begeistert den Affen zu und ruft schon laut: Jaaa, die Menschheit stammt auch ab Affen! Die tote Stille folgt – was genau meinst du, Bruder? Die Leute stammen auch ab Affen!!! Wahnsinniges Lachen macht sich breit – ach Bruder, nur das nicht, bitte nur das nicht!! Wir Affen wollen mit euch Menschen nichts zu tun haben!!! Denn euch hat der Meister erschaffen und an dem Tag als er das tat, war er nicht gerade in Form!!! Er hat sich richtig verwählt! Mein zynisches Ich denkt nach, vielleicht ist doch was dran.

 

 

Die Exkursion durch das Land Afrika geht weiter – unter strenger Beobachtung der Lemuren fotografiere ich die meist bekannten Bewohner – die Löwen, Elefanten und Nasshörner. Mein zynisches Ich macht sich Sorgen, ob wir richtig fotografieren und die Fotoobjekte damit zufrieden wären?

 

 

Ein Werbeplakat über die Ausrottung der Nashörner und der Hauptdarsteller steht direkt vor dem Korn meines Objektives. Ich schärfe, ich ziele, die Zielscheibe ist ganz nah. Ein Schuss – ein wunderbares Photo eines majestätischen Geschöpfs ist im Kasten. Ein verächtliches Seufzen folgt – ein majestätisches Geschöpf? Mein zynisches Ich versteht nicht. Ein majestätisches Geschöpf nennst du mich? Ich bin ein Flüchtling, ich fühle mich hier besser als in meinem Heimatland. Ihre tolle Menschheit, die sich so nach der Perfektion sehnt, rottet uns aus. Warum? Was ist an uns so perfekt? Die dicke Haut? Die Ungeschicklichkeit? Die Falten? Die Souvenirs aus meinen Knochen? Unsere Hörner als Medizin in eurer Welt voller Pharmaka? Ihr seid lächerlich, perfekt lächerlich. Mein zynisches Ich schweigt, schämt sich. Das ist doch wahr.

 

 

Wir verlassen das Afrika und bewundern den japanischen Garten Mu-Shin. Übersetzt heisst es „ohne Gedanken“. Das tut jetzt ganz gut. Er ist der grösste japanische Garten in der Tschechischen Republik und man kann drei einhundert Jahre alte Kiefer aus Japan bewundern. Ich tanke wieder die Energie.

 

 

Dieses Jahr habe ich so viele Paare gesehen, wie noch nie. Und in der Tierwelt geht es nicht anders…

 

 

Wo ein Paar ist, gibt es dann meistens den Nachwuchs. Die Rotnackenwallaby aus Australien springen herum. Das Baby bleibt 40 Wochen bei ihrer Mutter, am längsten von allen Kängurus.

 

 

Die Affen, diesmal die Botschafter der Amerika, wissen schon Bescheid über mein zynisches Ich. Uh nein, wir wollen wirklich nichts mit der Menschheit zu tun haben. Wir sind anständige Affen. Nicht solche Affen wie ihr. Ich kann die Aussage nachvollziehen.

 

 

Das letzte Tier, das auf uns guggt, ist wie durch Ironie des Schicksals ein Darwin – Nandu. Sie sind gute Läufer, können sogar schwimmen, können bis 4500 m.ü.m leben und um die Eier und den Nachwuchs kümmert sich nur das Männchen. Mein zynisches, freches Ich fragt mich: Wo ist die Grenze zwischen dem Menschen und dem Tier? Wo fängt die Menschheit an?

 

 

Sehr viele neue Projekte werden realisiert. Die Gäste dürfen alles auf Homepage des Zoo’s mitverfolgen. Ein wirklich gelungener Ausflug geht zu Ende, wir sind ein Stück schlauer. Oder doch nicht? Vielleicht bewusster, mitfühlender?

 

 

Überall sind präsent die Tafeln mit Namen derjenigen, die die Zoobewohner finanziell unterstützen und den ausgewählten Tieren helfen. Die Namen der Gönner sind aufgelistet und mein zynisches Ich stellt sich die freundliche Gesichter vor. Gesichter, die im Hintergrund stehen und helfen wollen.

 

 

Manche Bewohner wollten sich nicht sehen lassen und genossen abseits der Öffentlichkeit ihre Ruhe und Harmonie.  Andere hingegen sind nicht Bewohner des Zoo’s und leisteten uns Gesellschaft. Der Zoo ist wirklich sehenswert und sieht sehr gepflegt aus.

 

Noch am Abend, im Bettchen, fragt mich mein zynisches Ich: Und stammen die Menschen ab Affen oder nicht? Na ja, Ausnahmen gibt es schon. Gleichzeitig nehmen wir uns das Recht, an diesen Tieren die Versuche zu machen. Ich bin strickt dagegen, die Tiere tragen keine Verantwortung für uns. Oder hat uns etwas Mächtiges erschaffen? Das ist auch möglich, aber hat es nicht neben Napf gegriffen? Und vielleicht wäre es am besten, wenn wir selber für uns die Verantwortung übernehmen und danach auch handeln. Und sind die Tiere glücklich im Zoo? Sie haben sich angepasst, aus ihrem Schicksal das Beste gezaubert. Ich denke eher, dass die Menschheit selber mehr eingefangen ist und sich eingefangen hält, als alle Tiere, die wir gesehen haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Gute Nacht!

 

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Durch die Tschechien – 4. Teil Schloss Buchlowitz

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