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Die Ferienzeit ist da, ich darf endlich die lang ersehnten freien Tage in meiner Studien am Samstag geniessen. Auf eine nette Einladung meines LKW Kollegen Sämi fahre ich über das Wochenende ins Berner Oberland nach Weissenburg im Simmental. Hier auf 1010 m.ü.m erscheint man im Märchen weit weg von der Zivilisation. Der rauschende Bach holt mich langsam aus meinen Träumen und der Bauer eilt mit der frisch gemelkter Milch in die Käserei.

 

 

Wir starten direkt mit dem Frühstück und legen sofort los. Zum Ziel haben wir das Restaurant Schilthorn ausgewählt. Das Berner Oberland ist in der Tourismusbranche enorm beliebt. Das spürt man sofort – viele Autos, Touristen, verschiedenen Sprachen. Sämi ist hier aufgewachsen – wir beginnen in Lauterbrunnen, wo er zur Grundschule gegangen ist. Ich kann mich heute gemütlich zurücklehnen, denn ich bin zu Gast. Und wer kennt sich besser aus als die Einheimischen?

 

 

Unser Abenteuer geht los mit der Gondelbahn bis Grütschalp auf 1486 m.ü.m. Die Aussicht bietet einen schönen Blick auf das Gebirge Jungfrau und das Dorf Wengen, wo jährlich seit 1930 das traditionelle längste Rennen aller Abfahrten im Skizirkus stattfindet – in 2.5 Minuten bei 160 Stundenkilometer wird 4.5 Km Rennstrecke in Angriff genommen – ein wohl geliebter Klassiker. Wir steigen in Panoromazug ein und lassen uns weiter hinauf bringen. Meine Kamera wird mit einem seltenen Ausdruck konfrontiert – ein Schweizer, der Sturm der asiatischen Touristen, die moderne Technik und die königlichen Schweizer Alpen.

 

 

Wir steigen im Mürren aus und machen einen kleinen Spaziergang durch das Dorf. Eine prächtige Aussicht, den hier im Berner Oberland befindet man sich im Reich der faszinierenden 4000-er Gipfeln. Die bleiben aber heute verhüllt und verstecken ihre Schönheit hinter den Wolken.

 

 

MIt der Gondel hinauf über Birg geniesse ich für kurze Zeit diesen Augenblick – die Sicht aus der Vogelperspektive. Die Tiere ruhen sich aus, der Nebel nimmt zu, die Luft wird frisch. Wir steigen noch mal um und schon befinden wir uns auf 2970 m.ü.m auf Schilthorn. Im Jahr 1968 wurde hier der Herr 007 gedreht – James Bond. Mein zynisches Ich hält Nichts von diesem Herr – zu viel Drama. Und aufrichtig gesagt – mein zynisches Ich bereitet mir mehr Aktion als alle 007 Filme zusammen.

 

 

Was unten mit der Sonne angefangen hat, ändert sich rasch zu kaltem Wind und Nebel. Aus T-Shirt Mode wird ein Windjacke und kalte Ohren. Ich kann nicht widerstehen und laufe den Wanderweg entlang. Der Wind spielt mit den Wolken einen Spiel nach seiner Pfeife und entblösst für mich ein Stück der Landschaft. Der Wind zaust meine Haare, die Sonne erwärmt meine Bäckchen, was will ich mehr?

 

 

Meine Speicherkarte ist voll – Gott sei Dank, denn heute ist „ein Champagner-Tourismus“ angesagt. Was es heisst? Ein Tag ohne jegliche Leistung. Ich muss auch mal meine Aktivitäten drosseln und Sämi wartet schon auf mich. Wir haben für das Wochenende klar abgemacht – gemütlich. Sitzend geniessen wir die Momente und beide staunen wir wie hier auf fast 3000 m.ü.m. trotz den Bedingungen die Blumen wachsen. Zwei Grad Celsius jagen uns ins Restaurant.

 

 

Das Restaurant Schilthorn dreht sich um die eigene Achse vorbei an über 200 Bergspitzen. Bedient von freundlichem Personal wählen wir kleine Schnacks und Getränke. Wir sind uns mit dem Sämi einig – die Preise sind für die fast 3000 m.ü.m. gar nicht überrissen. Was für uns zum Genuss wird, ist für viele Menschen hier ein Lebensunterhalt, denn dieser Teil der Schweiz ist stark vom Tourismus abhängig. Ich höre einige Schweizer, aber die Flut der Touristen aus Asiatischen Raum ist von Europa nicht zu topen. Trotz Nebel lohnt sich die Aussicht – James Bond ist anziehend und löst bei manchen im Restaurant das Lächeln aus. Und sogar auf der Toilette gibt er den Ton an. Ich muss echt schmunzeln – die Bondgirls und Bonds. Sieht es nicht genial aus? Die Gondelbahn bringt weitere Touristen, das Glas ist leer, wir fahren runter.

 

 

Es geht schnell – der gleiche Weg und die gleiche Perspektive. Die Tieren haben sich erholt, der Nebel weicht zurück, der Bauernhof steht leise da – in 30 Minuten landen wir in Stechelberg auf 910 m.ü.m. Wir wandern an der Weissen Lütschine vorbei, wir treffen einige Lauflustige, bewundern den Mürrenbachfall, der mit seinen stolzen 420 Meter Fallhöhe der höchste des Landes ist.

 

 

Mit starkem Wasserrausch im Hintergrund geniesse ich die kleinen Details, die vielleicht vielen verborgen bleiben. Für mich sind das jedoch genau die Kleinigkeiten für die ich die Schweiz so tief im meinem Herzen liebe.

 

 

Der alte freundliche Bauer, der vorbei an seiner Schafherde nach Hause geht.

 

 

Der gemütliche Schnecke in der Horizontale biwakiert.

 

 

Das verlassene Wespennest.

 

 

Die starken Hände, die das Holz für den Winter vorbeireitet haben.

 

 

 Die Brennnessel, die das Holz behüten.

 

 

Und das wahre Zeichen dieser Gegend – die Simmenthaler Kühe.

 

Ein erfrischender 30-minütiger Spaziergang führt uns zum für uns schon bekannten Restaurant Stechelberg. Schattige Terrasse, gute Auswahl, feines Essen, angemessene Preise. Hier werden wir den heutigen Tag ausklingen lassen. Nach der Vorspeise geniesst Sämi die typische Schweizer Rösti und ich den Rahmschnitzel.

 

 

Der Abend ist vorbei und wir fahren zurück nach Lauterbrunnen, wo unseres Auto steht. Das PostAuto bringt uns hin und wie war es noch mal? Wer kennt sich besser als die Einheimischen? Na dann – Sämi schwätzt mit seinem bekannten Kollegen – dem Buschauffeur und ich darf dafür die Schweizer Pralinen von ihm geniessen. Ist es nicht wunderbar, wenn Männer reden und die Frau darf wohltuend auskosten? Es lebe die Männerwelt!!! Ich werde heute Abend schlafen wie ein Murmeltier! So tief und so glücklich!

 

Den nächsten Tag starten wir schon traditionell – mit dem Frühstück, das Sämi so liebevoll vorbereitet hat. Und das Blick aus dem Fenster verspricht uns einen sonnigen Tag.

 

 

Sämi schlägt ein kleines Dorf vor – Isenfluh. Durch Wege und Tunnel landen wir im verträumten und romantischen Kleindorf und fahren mit der Gondel zu Sulwald mit wunderbarem Blick zu Jungfrau. Das Gebirge Jungfrau – Mönch – Eiger gehört zu UNESCO Kulturerbe. Wir geniessen das Apero auf der Terrasse. Wir diskutieren über das Gebirge – vor 20 Jahren war es von dem Gletscher gehüllt. Die Klimaerwärmung macht sich auch in den Schweizer Alpen sichtlich bemerkbar.

 

 

Nach kurzem Faulenzen fahren wir wieder runter und besuchen die nächste besondere Attraktion hier. Wir werden 10 Wasserfälle bestaunen – die Trümmelbachwasserfälle, die einzigen Gletscherwasserfälle im Berginneren in Europa, die zugänglich sind. Das Schmelzwasser stammt gerade vom Gletscher der drei oben genannten Gipfeln. Die wunderbaren Felsformationen, die im Verlauf tausender Jahre entstanden sind und die enorme Kraft aus 20 000 Liter pro Sekunde, die das sprudelnde Wasser leitet, lassen uns schlicht und einfach staunen. Nach vielen Treppen und Touristen ist unser heutiger Ausflug zu Ende und wir fahren nach Hause.

 

 

Auf dem Weg, auf mein Verlangen, halten wir noch an einem besonderen Ort. Wir kreuzen junge Touristen, die gerade von Saxeten kommen. Saxeten – ein Ort, der mir unvergesslich für immer im Kopf bleibt, denn als ich in die Schweiz im Jahr 1999 kam und wollte hier für kurze Zeit bleiben, hielten einige Ereignisse die Schweiz im Atem und nicht nur die. Die Helvetia wurde damals vom sehr beliebten Bundesrat Adolf Ogi regiert. Das Berner Oberland ist geeignet für Adrenalinsportarten – darunter auch Canyoning. Beim Canyoning kann man die Schluchten von oben bis unten durch Rutschen, Abseilen oder Springen begehen. Der Bach ist an sich selber nicht gefährlich. Bis am 27. Juni 1999 eine zwei Meter hohe Flutwelle, ausgelöst durch das Gewitter in den Bergen, kam. Sie riss 21 junge Menschen gnadenlos in den Tod.

 

 

Ich lese die Namen und Jahrgänge auf der Gedenktafel und mein zynisches Ich fragt mich leise, fast ängstlich: Ist es gerecht, so jung die Welt zu verlassen?

 

Die meisten waren so alt wie ich, manche jünger, einige paar Jahre älter. Einmal hat jemand gesagt, dass der Tod gnädig ist – er nimmt alle mit. Ich denke, wo ein Leben ist, gibt es auch den Tod. Aber gnädig? Nein – er nimmt dann, wenn man es am wenigsten erwartet.

 

 

Ich lese still die Botschaften, die die Angehörigen hinterlassen haben, ich sehe die eindrucksvollen Geschenke aus der anderer Seite der Welt. Worte der Trauer und Liebe, die dorthin fliegen, woher es kein Zurück gibt. 21 Steine, die an die junge Leute erinnern. Ich zünde die Kerze an.

 

 

Und ein Schmetterling erscheint und setzt sich leise und elegant auf die Blume und schliesst seine Flügel zueinander – so wie sich hier eine weitere Kapitel des Lebens schliesst. Er wird seine Flügel wieder aufmachen – genau so, wie es im Leben geht – eine neue Kapitel fängt an. Der Falter hebt genüsslich ab in den sonnigen Tag und motiviert mich, auch abzuheben – ab in neue Abenteuer!!! Ich danke dir!!!

 

 

Und ihr?

Wie geniesst ihr eure Ferien?

Schon mal das Berner Oberland besucht?

Einen Ort besucht, wo ihr noch nie wart? Die Motivation habt ihr jetzt bekommen…

 

Ich wünsche euch von ganzem Herzen erholsame Ferien, tankt die Energie, geniesst die Sonne in vollen Zügen. Dafür sind ja die Ferien da. Bis bald, ich freue mich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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