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Die Ferienzeit ist da, Ruhe und Erholung, die Kinder befreit von Schulplichten. Der Sommer ist in vollem Gange und zum Sommer gehört auch die Sonne. Man schreibt den ersten August, Nationalfeiertag der Schweiz. Mit anderen Worten: Die Helvetia feiert heute ihren Geburtstag. In unserem Dorf herrscht Ruhe und Stille. Ich strecke mich faul im Bett aus, ein heisser Tag liegt vor uns. Ich schnappe meine Kamera und mache kurzen Spaziergang.

 

 

Beim Ausgang nehme ich eine kurze Bewegung wahr und wie sich herausstellt, eine kleine vierköpfige Igelfamilie kam zu Besuch. Ich heisse sie mit Wasser willkommen, sie haben Durst. Ich lasse sie in Ruhe und gehe meinen Weg.

 

 

Die Schweiz wird von einer langanhaltenden Trockenheit geplagt. Die Ernte ist mit Vorsprung fast hinter uns, den Bauern geht das Futter langsam aus, denn es wächst nicht nach. Ich laufe am Wald vorbei, umarme liebevoll mein Baum, seine Trockenlaube erinnert schon an Herbst. Ein Feld mit Hafern, das auf Dreschen wartet. Eine prachtvolle Blumenweise, die schon seit Jahren der Rückuzugsort für verschiedene Tiere und Käfer ist. Und die Stachel natürlich.

 

 

Ich komme nach Hause an, kontrolliere die Babys. Ich will auch meinen Tag geniessen. Gegen Abend wird der Himmel dunkel, kommt endlich der Regen? Meine Stachelchen suchen was zum Essen und ich nehme meine Kamera und gehe wieder raus. Dunkle Wolken verdecken Berg voller Märchen, in Ferne schlägt Donner. Punkt acht Uhr Abend erläutern die Glocken der naheliegenden Kirchen die Bedeutung vom heutigen Tag. In der Weite entflammen Feuerstätten und die Feuerwerken leuchten in die Nacht. Die  schweizerische Helvetia feiert ihren Geburtstag. Langsam wird es dunkel. Ich beobachte den wunderbaren Sonnenuntergang und es wird mir allmählich klar, dass der so nötige Regen nicht kommt und morgen wieder sehr heiss wird. Die Nacht ist da und auf der Autobahn fahren einige Autos. Ich gehe nach Hause und will schlafen gehen während anderen wach werden. Meine Stachelchen lauern sportlich herum. Habt ihr mal Stachelchen in der Nacht fotografiert? Die halten einfach nicht an!!!!!

 

 

Nächsten Tag schaue ich vorbei, Stachelchen sehen zufrieden aus, ich lasse sie erholen. Im Internet sammle ich bisschen Infos über Igel, die in der Schweiz geschützt sind. Nicht immer brauchen Tiere unsere Hilfe, in unserem Dorf lebt eine Menge Igel, die hier gute Zuflucht finden. Ich geniesse den sonnigen Ferientag am Fluss der Sense, es ist Freitag, Sommer, feine Gesellschaft, die Männerwelt bereitet mir immer Freude. Gegen Abend schlafen alle Stachelchen zusammen.

 

 

Am Samstag morgen aber entdecke ich voll erstaunt nur zwei Geschwisterchen und das am dummsten Ort in hitziger Sonne – unten meinem Auto. Ich gebe Wasser, sie sind sehr durstig und zahm, sie kommen mir so verlassen vor. Ich suche noch mal im Internet die Infos und kontaktiere Hotline. Der Rat kommt umgehend: Ich muss Stachelchen wiegen. Mein zynisches Ich klügelt schon: Ach Du liebe Frau, Gott sei Dank hast Du Küchenwaage! Wenn Du schon nicht backst, dann kannst Du damit die Stachelchen wiegen!! Ein Zwerg wiegt 80g und anderer 100g. Sie sind zu schwach, um den kommenden Winter zu überleben und von Stachelmami fehlt jede Spur. Ich lege sie in ihre Hölle rein und sie schlafen sofort ein.

 

 

Auf Rat der Dame von Hotline fahre los ich in nächstgelegenes Tierheim. 45 km vor uns, Autobahn und mein zynisches Ich flüstert: Was Du alles hier mit Lastwagen transportiert hast, aber Stachelchen noch nicht!!! Ich bin stolz und im Tierheim Rosel Brügg bei Biel warten schon auf uns. Paar Infos und meine Stachelkinder treten ihre Auffrischungskur an, die ich ihnen nicht bieten kann. Ich spende 100 CHF und bekomme einige Tricks, wie ich andere zwei Babys anlocken kann.

 

 

Mit gutem Gefühl fahre ich heim und farbiger, dunkler Himmel bringt hoffentlich den Regen. Im benachbarten Schwimmbad gönne ich mir Erfrischung. Kinder, Erwachsenen, Älteren, Jüngeren geniessen den Sommer. Und junge Pubertierenden mit lauter Musik und Zigarette im Mund demonstrieren ihre Wichtigkeit und Erwachsensein. Ich denke an meine Adoptivbabys. Überleben sie und finde ich noch die zwei Babys? Wunderbarer Himmel voll verschiedenen Farben verstärkt unsere Hoffnung. Aber der Regen bleibt fern. Die Medien geben bekannt das, was wir eigentlich alle vermutet haben: Strickter Feuerverbot in ganzem Kanton, grillen in Feuerstellen nahe und im Wald. Auch im Berg voller Märchen spürt man die Dürre. Elf Berghütten im Kanton sind bereits ohne Wasser. Die berufene Sonderkommision sucht Hilfe bei Schweizer Armee, die dann mit der Puma die Berghütten mit Wasser von Seen versorgen wird. Betroffen ist auch Hohmattli bei Kaiseregg, wo etwa 40 Pferde die Sommerweiden geniessen.

 

 

Der Sonntag ist da, die Sonne lockt mich wieder ins Schwimmbad. Auf dem Weg fahre ich durch Dörfchen Fendringen. Während ich meinen Tag geniessen werde, versuchen hier am Bauerhof die Feuerwehrleute, Polizisten und andere Helfer zu retten, was noch zu retten ist. Wie ich am Montag aus der Zeitung erfahre, die ganze Heuscheune ist verbrannt. Mein zynisches Ich hört schon irgendwo die Antwort: Die Versicherung bezahlt die Schaden. Das schon, aber wo kauft der Bauer Futter, wenn die ganze Europa unter der Trockenheit leidet und die Reserven gehen aus?

 

 

Ganz zufällig entdecke ich am Vorabend im Garten beim Nachbarn das dritte Baby. Sofort was zum Knabern, das Katzenfutter vom Tierheim. Stachelchen hat Hunger. Das vierte Baby habe ich schnell gesehen und schon war er weg. Ich suche ihn mit Pausen die ganze Nacht, leider ohne Erfolg. Über Elswil fliegen Gewitterwolken, der Regen fällt aber im Berngebiet.

 

 

Am Montagabend bin ich entschlossen, das vierte Baby zu suchen. Ich bin sehr müde, es ist nach zehn Uhr und ich beschliesse, den letzen Strassengang zu starten, denn ich halte den anderen Igel schon über ein Tag lang. Ich suche noch mal die Stelle aus, wo ich mein Stachelchen gesehen habe und auf einmal bemerke ich kurze Bewegung. Und wirklich – kleine Stachelkugel und ich weiss sofort, dass ich endlich den letzten Teil meines Stachelquartetts gefunden habe. Am Morgen geht es los, heute habe ich Hilfe, das Enkelkind meiner Vermieter. Wie wir dann im Tierheim erfahren dürfen, geht es anderen Babys sehr gut. Mit dem Lachen auf den Lippen fahren wir nach Hause.

 

 

Der Tag neigt zu Ende und es sieht endlich nach Regen aus. Ich beobachte die wunderbare Szenerie, wir brauchen das Geschenk des Himmels. Die ersten Tropfen fallen. Erfrischendes Wind zaust meine Haare. Und langsam erwacht das Leben. Der erste Schnecke beim Strassenrand, der Wind durchweht das Wald, das Gewitter kommt.

 

 

Ich schlafe gemütlich ein als glücklichster Mensch der Welt. Meine kleine Stachelchenfamilie ist in guten Händen, ich habe grosse Freude, dass es mir gelungen ist, alle rundigen Stachelknäulchen zu finden. Sie brauchen jetzt ihre Ruhe und wenn die Zeit kommt, werde ich sie wieder abholen und ihnen bei uns im Elswil im Garten ein neues zu Hause geben, denn die Igel sind sehr reviertreu. Und hoffentlich wird der Himmel gnädig sein und bringt uns genug Wasser. Und mein zynisches Ich brummt leise: Wir erforschen Mars, wir fliegen ins Universum, stellen Weltrekorden auf, wir wissen, was H2O ist, wir wissen wovon es besteht, aber herstellen können wir es nicht. Wir schätzen es erst dann, wenn es nicht mehr da ist. Und mir fällt noch auf: Alles hat vor acht Tagen angefangen: Alles Gute zum Geburtstag, liebe Helvetia.

Die heutige Frage lautet:

Was würdet ihr der Schweiz zum Geburtstag wünschen?

Schätzt ihr Wasser? Ihr Mangel ist weltweit spürbar…

Wie geht ihr mit der Hitze um? Ich mag sie nicht besonders…

Helft ihr Tieren? Ihr macht eine gute Sache, sie brauchen uns jetzt…

Der heutiger Tag und nicht nur der heutige ist gewidmet meinem zweiten zu Hause, der Helvetia. Umso mehr ist er gewidmet allen Menschen, die der Tieren im Not helfen, nicht nur in diesen heissen Tagen. Ihr habt Herz am richtigen Ort…

 

…IHR MACHT DIE WELT BESONDERS…INDEM IHR EINFACH DA SEID…

 

 

 

 

 

 

 

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Ausstellung Dietisberg 2017

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