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Wie ich schon versprochen habe, habe ich mich entschlossen die Vereinigte Arabische Emirate noch mal zu besuchen. Mein Chef hat mir gekündigt und eine Kündigung nennt man in der Schweizer Umgangssprache: „Wenn man dich in die Wüste schickt“. Der Chef hat immer Recht, auch wenn nicht jedes Mal und so bin ich Richtung Abu Dhabi geflogen und für zwei Wochen ein Auto gemietet. Nach der Regel am Flughafen entweder links oder rechts fahre ich nach rechts entgegen meiner neuen Abenteuern. Es ist April und Emirate sind 3 Stunden voraus. Ich fahre los – einfach so. Als erstes besorge ich mir passendes Kleid für Frauen Abaya und etwas Essen.

 

 

Am ersten Abend verbringe ich die Zeit am Ufer, wo viele Einheimische anwesend sind und ich geniesse die atemberaubende Skyline von Abu Dhabi. Die Emirate gelten als Land der Superlative und die Dunkelheit verleiht ihnen noch mehr Magie.

 

 

Am nächsten Morgen geht es los. Ich will heute die drittgrösste Moschee der Welt besuchen – die Shaikh Zayed Grand Mosque. Der prächtige Bau wurde von Shaikh Zayed Bin Sultan al Nahyan, den Staatsgründer der V.A.E initiiert. Sie darf als eine der wenigen Moscheen im Land auch von Nicht-Muslimen besucht werden. Hier gelten ganz klare Kleiderverordnung. Die Frauen müssen vermummt sein, das Kleid kann kostenlos ausgeliehen werden. Die Eingänge gelten separat für Männer und für Frauen. Die Moschee ist behütet von der arabischen Militär. Da ich genügend angekleidet bin, muss ich nur Passport abgeben.

 

 

 Es ist warm und viele Schaulustige kommen vorbei. In regelmässigen Intervallen tönt der Gesang durch den Raum und lädt zum Gebet ein. Ich bewundere die wunderschöne Handarbeit. Alles ist auf Glanz poliert und man darf den Platz nicht betreten.

 

 

Eine Inderin setzt sich auf die Bank und ihre Kinder rennen auf Platz los. Sie sind voller Energie und die ist so ansteckend, dass sogar die Wachleute sie spielen lassen und schmunzeln. Die Moschee hat so manche Rekorde: Der Kristallkronleuchter ist mit 9.5 Tonnen und 10 Meter Durchmesser das Mass der Dinge und die gesamte Moschee fasst 41.000 Menschen. 

 

 

Der Abend naht und es ist früher dunkel. Die Architektur ist so beeindruckend, dass ich sie im Nachtmantel festhalten will. Ich werde nicht enttäuscht, die Wasseroberfläche und Spiegelung helfen mir dabei. Die Öffnungszeiten sind vorbei, ich nehme meinen Passport und ziehe weiter.

 

 

Ich lande am Strand, wo ich übernachten werde. Es ist warm und ich will die Sir Bani Yas Island besuchen. Dies erfolgt eine Reservation und ich hatte Glück. Ein sonniger Morgen begrüsst mich und verspricht einen wunderbaren Tag. Ich geniesse noch den Spaziergang am Ufer am Strand, ich finde immer wieder Fotoobjekte. 

 

 

Der Abenteuer Sir Bani Island fängt an und wir werden mit dem Boot hingebracht. Bald ist Mittag und wir werden im Hotel sehr feines Gericht essen. Die Gesellschaft leistet mir ein Chinese und die Spatzen, die überall auf der Welt die gleichen sind und eine riesige Familie. Das gibt mir immer das Gefühl in allen Ecken dieser Erde zu Hause zu sein.

 

 

Wir werden von den Ranger Ali herzlich willkommen und werden mit ihm den Nachmittag verbringen. Ich, der Chinese und eine sehr nette indische Familie, die Spatzen sind im Hotel geblieben.

 

 

Die Insel ist seit 1971 ein Wildtierreservat und war lange Zeit nicht öffentlich zugänglich. Das ändert sich dann im Jahr 2008. Heute leben hier gefährdete Tierarten und es werden Massnahmen zur Arterhaltung entwickelt. Wir beobachten die Giraffen, den Gepard und zur Ikone gekrönten arabische Oryx-Antilopen, ein neu geborenes Leben springt herum. 

 

 

Am Stränden finden die Schildkröten den Platz zum Nisten. Etwa 13.000 Tiere leben meisten im Inneren der Inseln. Die Insel bietet viele Outdoor und Freizeit – Aktivitäten, Hotels und legt grossen Wert auf die Erhaltung des Ökosystems und Natur. Mich überrascht die Vielfalt der Landschaft und die verschiedenen Farben. Einen wunderbaren Nachmittag in der Natur ist hinten uns und ich verlasse die Insel.

 

 

Der Tag neigt sich wieder zu Ende und ich will den Sonnenuntergang in der Wüste geniessen. Oft halte ich irgendwo an, ziehe die Schuhe aus und laufe irgendwohin und dann beobachte ich die Natur. Es ist immer der gleiche Sonnenuntergang, aber die Natur und Farbenton ist anders als in Europa. Die Sonne fällt hinter Horizont, der Tag ist vorbei und die Nacht schleicht sich ein.

 

 

Mein nächster Ausflugsziel ist Moreeb Hill. Ein langer Weg führt dorthin, aber mein Auto ist leistungsfähig. Das Strassenbahnnetz in Arabien ist sehr gut aufgebaut. Da Moreeb Hill weit in Liwa Oasen abgelegen liegt, wird es auf einmal auf der Autobahn einsamer. Und je weiter ich fahre, umso interessanter wird es. Die Sonne brennt, ich habe die Klimaanlage im Auto auf Hochtouren, die letzten Stunden habe ich vielleicht sechs Autos getroffen. Und auf einmal läuft von mir eine Herde Kamels. Mein zynisches ich lacht – probiere mal mit deinen Kamels auf der Autobahn in der Schweiz herumspazieren!! Ich mahne mein zynisches Ich: Wir haben ja keine Kamels!

 

 

Ich werde noch oft unterwegs anhalten, weil mich die Natur und die Einsamkeit fasziniert. Hier und da vereinzelte Farmen mitten von Tonnen Sand, ich treffe noch eine Herde unterwegs. Und endlich erreiche ich Moreeb Hill. Ein Mann erledigt die Baggerarbeiten, sonst ist niemand da. Moreeb Hill gilt als Ort für Feierlichkeiten wie Dünenfahren oder Kamelrennen. Die Moreeb Düne ist mit 120 Meter die höchste Sanddüne der Gegend. Es ist sehr heiss und die kühle Luft in meinem Auto lockt zu nächster Fahrt. 

 

 

Ich ziehe weiter und beobachte die Gegend, denn ich staune immer wieder, was alles die Natur zaubern kann, wo das Leben so anpassungsfähig ist. Ich suche für mich einen Platz aus, wo ich übernachten werde und freue mich, was der nächste Tag wieder bringt.

 

 

Ein bezaubernder Morgen überrascht mich. Der Morgendunst und Farbe versprechen einen wunderbaren Tag. Ich ziehe die Schuhe aus, die Abaya kremple ich hoch und steige eine kleine Dune auf. Was versteckt sich dort oben? Eine kleine Farm. Mein zynisches Ich ist begeistert, ich auch, meine Neugier treibt mich vorwärts an.

 

 

Ein Bauer winkt mir freundlich zu. Er spricht schlecht Englisch. Trotzdem darf ich sein Bauernhaus fotografieren und bewundern.

 

 

Zwei weitere Bauer helfen am Hof. Die Ziegen und die Kamels sind noch da bevor sie auf die Weiden ausgehen. Obwohl Weiden kann man die Wüste nicht nennen. Ein kleiner Ansicht ins Leben in besonderen Bedingungen und freundliches Auf Wiedersehen.

 

 

Ich geniesse die Emiraten, fahre oft spontan weiter und einfach so lebe ich den Alltag hier. Häufig winken mir viele zu, aus Freundlichkeit, aber auch zu fragen, ob ich nicht im Sand stecken geblieben bin. Alles ist in Ordnung, mich freut die Interesse an mir.

 

 

Die Wüste hat viele Gesichter und viele Nuancen. Die Sanddünen rund um die versteinerten Fossilien Jebel Mileiha sind touristisch beliebt und werden viel mit Rangrover befahren.

 

 

An der Grenze zu Oman stosse ich auf eine riesige Herde jungen Kamels. Sie machen das, was sie immer machen – sie suchen was zu naschen. Sie kauen, also haben sie auch was gefunden.

 

 

Die Landschaft lasse ich beiseite und es wartet auf mich Dubai – die weltberühmte Stadt der Superlative, die Wüstenstadt. Ein buntes Treiben kommt – die Einkaufszentren und Malls. So was muss man wirklich einmal sehen und obwohl ich mich in Menschenmassen befinde, kann ich ziemlich gut abschalten und meine ruhige Momente in Starbucks versteckt verbringen.

 

 

Die Zeit vergeht allen auf dieser Welt gleich. Und hier kommt es mir vor, dass es fast nicht mehr schneller gehen kann. Die bunten Farben, die moderne Welt, das Angebot, die Nachfrage, der Luxus.

 

 

Und wiederum der Moment, wo alles stehen bleibt und die Ansicht, wie klein wir sind in der Unendlichkeit des Universums.

 

 

Das Einkaufszentrum The Dubai Mall gehört zu den spektakulärsten Malls der Welt. Rund 1200 Geschäfte befinden sich auf vier Etagen. Weitere etwa 200 Restaurants, Cafés und Food Courts bedienen ihre Gäste. Im Dubai Aquarium kann man Haien, Rochen und vielen anderen bunten Fischen zusehen.

 

 

Weg von diesem Rummel fahre ich wieder los. Eine Sache muss klar sein – in Emiraten fahren mit dem Auto ist kein Problem. Aber Dubai mit Auto ist wirklich sehr kompliziert. Die Beschilderung ist auf arabisch und englisch. Bis man das aber gelesen hat, hat man die Ortschaften wieder vergessen und alles kommt bisschen chaotisch vor. Aber eine Sache enttäuscht auch nicht in Emiraten – die langen Staus. Und wenn man falsch abbiegt, landet man oft woanders als man wollte und es dauert fast Ewigkeit, bis man weiss, wie wieder zurückfahren.

 

 

Und genau das ist mir passiert. Ich wollte zu altem Markt mit Gewürz und orientalischen Köstlichkeiten und landete im Frucht und Fischmarkt. Umso lustiger waren die paar Stunden, die ich dort verbracht habe. Ich nahm die Herausforderung an und tauchte in den Alltag ein. Ein buntes Treiben – die Verkäufer und Fischer und Gäste und ich.

 

 

Mit meiner Kleidung passe ich gut in die Gesellschaft und werde prompt von den Fischer angesprochen. Ich habe so viel über Fische gehört und so viele gesehen, wie nie in meinem Leben. Ich muss echt schmunzeln – die Männer wollen mit ihren Fischen guten Eindruck machen auf ein Mädchen, das gar keine Fische isst.

 

 

Der Markt wird durch eine Mauer durchtrennt und dahinter befindet sich der Gemüse und Fruchtmarkt. Die frische Ware und bunte Auswahl locken an. Es wird bald Mittag, es gibt viele Leute, die noch was zum Kochen besorgen wollen. Die Frauen, die im Grossen einkaufen, „mieten“ sich gegen Entgelt die „Männer mit Karetten“. Die fahren dann den kaufenden Frauen nach und bringen die Einkäufe in ihren Autos.

 

 

Ich verlasse die Stadt und fahre in die Nähe von Hajar – Berge in die Stadt Al Ain. Die befindet sich in einem Oasengebiet und nicht weit entfernt liegt die Grenze zum Sultanat Oman. Al Ain gehört zu den fruchtbarsten Gebieten der Emiraten und ist eine der ältesten dauerhaft bewohnten Siedlungen der Welt. Einst war sie eine lebenswichtige Oase auf der Karawanenroute zwischen Emiraten und dem Oman. Ich besuche den Zoogarten und geniesse meine letzten Tage in Ferien.

 

 

In gesamten Komplex befindet sich auch das Nationalmuseum. Hier wird die Kultur und Landesgeschichte thematisiert. Das Leben der Beduinen und Oasenbauern, Fischer und Perlentaucher wird vorgestellt. Das Museum ist sehr modern und stillvoll eingerichtet. Und langsam neigen sich meine Ferien zu Ende.

 

 

Ich fahre zurück nach Abu Dhabi und will noch die Sonne am Strand geniessen, den Sonnenuntergang. Zwei wunderbare Wochen sind bald vorbei und ich durfte so viel sehen und so viel erleben. Durch den Kopf gehen mir noch mal die Bilder, die mir so tief im Herzen bleiben.

 

 

Die unvergessliche Sonnenuntergänge.

 

 

Der Morgen am Strand.

 

 

Der Grund, warum man anhalten muss.

 

 

Der Grund zum Anhalten ganz nah.

 

 

Der Einzelgänger abseits der Herde.

 

 

Da ich viel unterwegs war, habe ich mich schnell im Auto hingelegt. Natürlich am wunderbaren Orten, wo es nicht verboten war.

 

 

Das Essen in so kurzer Zeit überlasse ich den Restaurants, das kann man in Emiraten auch gut meistern, es gibt grosse Auswahl verschiedener Küchen aus aller Welt.

 

 

Mein zynisches Ich und ich haben wieder was gesehen und für euch geschrieben. Die Emiraten mal anders und nächsten Mal noch einmal, aber am Flughafen nach links! Schön, dass Sie uns lesen und bis bald, auf Wiedersehen!

 

 

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Vereinigte Arabische Emirate 2015

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